Kultur : Castor-Transporte: Im Dornröschenschlaf

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Vor mittlerweile sechs Jahren hat der Münchner Siemens-Konzern seine nie in Betrieb gegangene Hanauer Plutonium-Fabrik eingemottet. Was hier zu Lande unerwünscht ist, würde die russische Regierung gerne ins eigene Land holen, um damit bombentaugliches Atommaterial aus eigenen Arsenalen in zivile und damit ungefährlichere Produkte zu verwandeln. Doch die Bundesregierung und die anderen G8-Staaten haben sich bisher nicht zu einem klaren Bekenntnis durchringen können, ob ein solcher Export politisch erwünscht ist.

Letztmals im September 2000 hat Siemens-Chef Heinrich von Pierer die Politik aufgefordert, diese bis heute offene Frage zu beantworten. Denn es kostet die Münchner nach eigenen Angaben immerhin jährlich zwei Millionen Mark, die einst für 1,4 Milliarden Mark errichtete Fabrik in betriebsfähigem Zustand zu erhalten. Falls es nicht zum Verkauf an Russland kommt, will Siemens das Werk so bald wie möglich verschrotten. Eine verbindliche Frist haben die Münchner den Politikern für eine Entscheidung aber nicht gesetzt.

Spätestens im Juli 2001, beim nächsten G8-Treffen, rechnet Siemens aber mit einer Antwort der Bundesregierung und ihrer internationalen Partner. Ein eigenes kommerzielles Interesse bestreitet der Elektrokonzern. Auch als eine Art Türöffner für künftige Atomgeschäfte mit Russland sei ein solcher Deal nicht gedacht.

Der Wert der theoretisch zum Verkauf stehenden Teile betrage ohnehin lediglich 165 Millionen Mark, hatte ein Konzernsprecher zuletzt gesagt. Neben Siemens hatten sich im vergangenen Jahr auch deutsche Stromkonzerne in die Diskussion eingeschaltet. Dem Vernehmen nach hatte die russische Seite verlangt, dass deutsche Energieversorger bei einem Transport der Plutoniumfabrik nach Russland dort produzierte Brennelemente in ihren deutschen Kernkraftwerken einsetzen. Das hatten die Stromkonzerne aber abgelehnt.

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