• CASTORF AUF BRASILIANISCH„Anjo Nero“ und „Im Dickicht der Städte“: Traurige Tropen

CASTORF AUF BRASILIANISCH„Anjo Nero“ und „Im Dickicht der Städte“ : Traurige Tropen

Sandra Luzina

Brasilien sei wie eine Droge, bekannte Frank Castorf jüngst im Interview mit der zitty. Als der Volksbühnen-Chef 2006 auf Einladung des Goethe-Instituts in São Paulo inszenierte, hat ihn offenbar das Tropenfieber gepackt. Der zuletzt eher abgeklärt wirkende Regie-Provokateur ließ sich nicht nur auf andere Produktionsbedingungen ein, er entdeckte auch, dass es gar nicht so weit ist von der Volksbühnen-Ästhetik zum Voodoo-Kult. In zwei Inszenierungen kann man nun Castorf auf Brasilianisch erleben.

Um Rassenwahn und Revolution geht es in „Anjo Nero“: Castorf hat das fatalistische Stück des brasilianischen Autors Nelson Rodrigues mit Heiner Müllers „Auftrag“ zu einem theatralen Crossover gekreuzt. Die Rollen der drei Hauptfiguren besetzte er mit umgekehrter Hautfarbe und ermöglicht damit einen anderen Blick auf den Rassismus, der heute noch ein Tabuthema der brasilianischen Gesellschaft ist. Wenn Rodrigues’ schwarzer Engel auf Müllers Engel der Verzweiflung trifft, dann drängt sich laut Castorf die Frage auf: Ist eine Internationale des Hasses vorstellbar? Mitten hinein in den urbanen Dschungel von São Paulo hat Castorf seine Inszenierung von Brechts Frühwerk „Im Dickicht der Städte“ geschickt. Für die Brasilien-Tournee wurde die Besetzung ausgewechselt: So übernahm der in der lokalen Musik-Szene São Paulos bekannte Rapper Nelson Triunfo Volker den Part des Vaters Garga. Zwei Sprachen und Kulturen treffen aufeinander – die für ihr entfesseltes Spiel bekannten Volksbühnen-Akteure werden gewiss mit den ekstatischen Brasilianern mithalten können. Sandra Luzina

Volksbühne, „Anjo Negro“: Do 28.6., 20 Uhr;

„Im Dickicht der Städte“: Sa 30.6. und So 1.7.,

20 Uhr, 25 €, erm. 12,50 €

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