Cat Power : Rosa Wolken: Cat Power in Berlin

Räucherstäbchen, Lederjacke und gute Laune: Cat Power gibt im Berliner Huxyles Neue Welt ein solides Konzert mit den Songs ihres Albums "Sun" und einigen älteren Stücken.

von
Cat Power
Cat PowerFoto: Camille Garmendia/Matador

Ein zarter Regenbogen wölbt sich über den Neuköllner Abendhimmel. Das ist eine schöne Begrüßung für Chan Marshall alias Cat Power, auf deren letztem Albumcover ebenfalls ein Spektralfarbenspiel zu sehen ist. Drinnen im gut gefüllten Huxleys Neue Welt kommen noch rosa Wolken dazu. Sie schweben über die Leinwand im Bühnenhintergrund, während die 42-Jährige singt, dass sie den Himmel heiraten will. Die für ihre Verhältnisse erstaunlich poppig-optimistischen neuen Songs der „Sun“-Platte dominieren das Programm. Auch Cat Power selbst gibt sich aufgeräumt und fröhlich. Als wolle sie betonen, dass all ihre Krisen, Krankheiten und Trennungen ein für alle Mal hinter ihr liegen und sie nun auf der lichten Seite des Daseins tanzt. Dazu passen auch ihre seit einiger Zeit blond gefärbten kurzen Haare und die Räucherstäbchen, die der ersten Hälfte des Abends ein leicht hippieeskes Aroma geben.

Zusammen mit ihrer vierköpfigen Band, die halbkreisförmig und in respektvollem Abstand um sie herum gruppiert ist, gibt die in Atlanta geborene Sängerin ein solides 90-minütiges Konzert. Die emotionale Tiefe und musikalische Dichte ihrer letzten Berliner Auftritte (2006 und 2008) erreicht sie dabei zwar nicht, doch ihre leicht brüchige, tiefkehlige Stimme fasziniert immer noch. Und natürlich ist trotz der neuen Leichtigkeit längst nicht alles Sonnenschein bei Cat Power, die schwarze Lederjacke zu schwarzer Jeanshose trägt und nach wie vor keinen Scheinwerferspot auf sich richten lässt. Schon zum Auftakt dekonstruiert sie ihre melancholische Ballade „The Greatest“ auf die radikale Weise, die sie sonst bei ihren Coverversionen anwendet. Ohne den Text wäre es schwer, das in ein kühles Goth-Gewand gekleidete Stück überhaupt zu erkennen. Der Sound ist insgesamt deutlich rockiger als bei ihren zum Soul und zum Blues neigenden letzten Tourneen, womit sie sich wieder einen Schritt zurück zu ihren Indie-Wurzeln bewegt. Die „Silent Machine“ heult mit zwei Schlagzeugen und drei Gitarren auf – es ist das einzige Mal, dass Cat Power selbst in die Saiten schlägt. Ansonsten konzentriert sie sich ganz aufs Singen, wofür sie mitunter ein zweites leicht verzerrendes Mikro benutzt. Neu in ihrer Klangpalette sind Drumcomputer und Synthies, die sich live aber nur selten nach vorne schieben.

Bei „3, 6, 9“ gerät das zurückhaltende Publikum kurzzeitig in Bewegung. Auch die abgekürzte „Heroes“-Hommage „Nothing But Time“ kommt gut an. Auf der Hälfte wechselt Cat Power in eine Jeansjacke, um eine hochdramatische, langwierige Coverversion von Pedro Infantes „Angelitos Negros“ zu spielen. Stärker berührt sie jedoch bei den ruhigeren Songs wie dem kürzlich entstandenen „Bully“. Und als sie zu den Zeilen „Everything you have to go through/With a smile on your face“ auf die Knie sinkt, ist klar: Die Düsternis ist immer noch da.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar