Catering im Pierre Boulez Saal : Tabouleh und Hummus im Foyer

Eiad Jawabreh sorgt mit seinem „Casalot Catering“ für das leibliche Wohl der Konzertbesucher im Pierre Boulez Saal.

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Gastgeber. Eiad Jawabreh setzt auf arabisches Fingerfood.
Gastgeber. Eiad Jawabreh setzt auf arabisches Fingerfood.Foto: Thilo Rückeis

Was für ein Konzert! Kaum ist der letzte Ton verklungen und die letzte Zugabe beklatscht, strömen die Zuhörer wie beseelt aus dem Pierre Boulez Saal ins Foyer. Einige steuern sofort die Garderobe an, doch auch die Theke von „Casalot Catering“ wird postwendend belagert – wie schon in der Pause. Man ist noch erfüllt von der Musik und will mit Freunden über das Erlebte sprechen, am besten bei einem guten Glas Wein und etwas nahöstlichem Fingerfood. Genau so hat sich Eiad Jawabreh das vorgestellt, als er sich um das Catering für die Barenboim-Said Akademie bewarb.

„In Palästina geht der Gastgeber nicht vor dem Gast, wir begrüßen und verabschieden ihn“

„Ich sehe das Haus nicht als Auftrag, sondern als mein Haus. In Palästina geht der Gastgeber nicht vor dem Gast, wir begrüßen und verabschieden ihn“, sagt Jawabreh, der aus Iksal, dem biblischen Ort Casalot bei Nazareth, stammt. „Wir wollten keine Standards, nicht Wein und Brezeln; das kann jeder. Bei uns gibt es arabisches Fingerfood: Hummus und Tabouleh, Hummus mit gehacktem Rindfleisch und Baba Ganoush sowie Labneh. Und unser Tee wird immer frisch zubereitet, nichts kommt aus dem Beutel.“ Das Haus habe es verdient, dass man sich länger darin aufhält, ist Jawabreh überzeugt. Er ist ein glühender Anhänger des Konzepts der Akademie. „Für mich ist es ein Haus des Friedens – ,Dar as Salam’. Wir haben alle Nationen hier. Es könnten allerdings noch mehr Nordafrikaner hinzukommen“, findet er.

„Ohne den Divan wäre ich heute nicht hier“

Bis in die Akademie war es für Jawabreh ein langer Weg. Als junger Mann arbeitete der Palästinenser in Israel bei den israelischen Wasserbetrieben. Nach einem Unfall zog er nach Deutschland, wo schon Verwandte wohnten. Er lernte Deutsch, studierte und erwarb an der TU Berlin einen Abschluss als Diplom-Kaufmann. „Schon während des Studiums habe ich im Studentenheim gekocht, Partys und Events waren unsere Stärke“, erinnert er sich lächelnd. 2001 wollte er eigentlich einen Imbiss eröffnen – aus dem dann aber doch das Restaurant „Casalot“ in der Claire-Waldoff-Straße 5 in Berlin-Mitte wurde – benannt nach seinem Geburtsort Iksal („sicherer Ort“).

Sein Nachbar von der Eventagentur Acksteiner wollte ihn als Sponsor für das West-Eastern Divan Orchestra gewinnen. „Ich wusste, wer Edward Said ist. Ich kannte Daniel Barenboim. Und ich wusste, die spielen für den Frieden“, sagt Eiad Jawabreh. Seit 2002 trifft sich das Orchester regelmäßig im „Casalot“, und nach den berühmten Waldbühnenkonzerten organisierte Jawabreh die Abschlussfeiern für die Musiker. „Ich habe hier viele Musiker kennengelernt; zum Teil kenne ich ihre Familien noch von zu Hause. Ich fand die Idee großartig, über die Musik zu kommunizieren. Ohne den Divan wäre ich heute nicht hier.“

Mittlerweile bietet der Gastronom auch einen Mittagstisch für Studierende und Gäste an. „Die Studenten sagen ,Onkel’ zu mir, und wenn sie Probleme haben, helfe ich ihnen.“ Ein Student aus Haifa habe ihm sogar mal seine Eltern vorgestellt. „Kommt!“, sagte er zu ihnen. „Wir gehen zum Onkel ins ,Casalot!’

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