Kultur : "CDU hatte nichts entgegenzusetzen"

FREDERIK HANSSEN MORITZ MÜLLER-WIRTH

TAGESSPIEGEL: Herr Senator, der Mann ist energisch, der Mann wirbt für die Berliner Kultur, und er kommt bei den Medien an: könnten Sie sich einen besseren Lobbyisten für die Berliner Kultur wünschen als Michael Naumann?

RADUNSKI: Naumann hat jedenfalls als ehemaliger Journalist bewiesen, daß er Journalisten gut entertainen kann.Was mich gewundert hat, ist, daß in ihrer Begeisterung keiner Ihrer Kollegen gefragt hat: um wieviel Prozent sollen die Bundesmittel für die Kultur steigen und wo soll dafür gespart werden? Naumanns Plädoyer für eine Bündelung der bundespolitischen Kulturkompetenzen war nicht mehr als ein Votum für das Zusammenlegen des Mangels.Dies macht keinen Sinn.Wer heute über Kulturpolitik redet, muß sich an der Frage messen lassen, wie er seine Vorhaben finanzieren will.Daran müßte sich auch Naumann messen lassen, aber soweit wird es ja Gott sei Dank nicht kommen ...

TAGESSPIEGEL: Sind Sie nicht als ehemaliger Wahlkampfmanager vor Neid erblaßt, als Sie mitansehen mußten, wie die Sozialdemokraten die Kulturpolitik als Thema besetzt haben?

RADUNSKI: Keine Frage, die SPD hat erkannt, daß es gerade in der Kultur sehr wichtig ist, Themen mit den entsprechenden Köpfen zu besetzen.Insofern war die Nominierung Naumanns eine hervorragende Inszenierung, mehr nicht.Die CDU hatte dem zunächst leider nichts entgegenzusetzen.Es wird jetzt darauf ankommen, die hervorragenden kulturpolitischen Kompetenzen in Person von Bundesinnenminister Kanther und Staatsminister Pfeiffer offensiver darzustellen.

TAGESSPIEGEL: Braucht Deutschland, mit Blick auf das zusammenwachsende Europa, einen Bundesbeauftragten für Kultur?

RADUNSKI: Was Europa betrifft, so wird immer vergessen, daß Deutschland in den europäischen Gremien strikt gegen eine auch finanziell erweiterte Kulturkompetenz der EU argumentiert.Wir werden, wenn so etwas beschlossen werden sollte, als größter Nettozahler immer am meisten zur Kasse gebeten.Diese Gelder sollten wir lieber direkt in unsere Kulturinstitutionen leiten.

TAGESSPIEGEL: Wie steht es um die Zukunft des Berliner Metropol-Theaters?

RADUNSKI: Da ist zum Beispiel das interessante Konzept von Christoph Hagel.Aber es gibt auch andere Interessenten, die reine Investoren sind, oder auch Leute, die außerhalb von Berlin erfolgreich im Bereich der Leichten Muse tätig sind.

TAGESSPIEGEL: Wann ist mit einer Wiedereröffnung zu rechnen?

RADUNSKI: Frühestens im Frühjahr 1999 wird sich der Vorhang wieder heben.

TAGESSPIEGEL: Ist denn eine Fusion von Metropol-Theater und Theater des Westens zu einem Haus mit gemeinsamer Leitung weiter in der Diskussion?

RADUNSKI: Hier gibt es ein rechtliches Problem.Das Theater des Westens ist eine landeseigene GmbH, das Metropol-Theater aber eine private GmbH.Es kommt aber nicht in Frage, eines der Häuser in eine andere Rechtsform umzuwandeln.Also wird es auf umfangreiche Kooperationen hinauslaufen, beispielsweise im Bereich der Werkstätten oder auch bei Produktionen und der Verpflichtung von Stars.

TAGESSPIEGEL: Das heißt aber auch, Sie müssen bis zum Beginn der Saison 1999 / 2000 einen Nachfolger für Helmut Baumann gefunden haben, der definitiv das Theater des Westens verläßt.

RADUNSKI: Ja.Ich bin aber positiv überrascht, wie viele Interessenten es für das Theater des Westens gibt.Im Gegensatz zum Metropol-Theater, wo es vor allem darauf ankommt, ein überzeugendes Betreiberkonzept zu finden, suchen wir hier in erster Linie nach einem künstlerischen Konzept mit neuen Akzenten für die Zukunft.

TAGESSPIEGEL: Können Sie den vom Subventionsverlust bedrohten Berliner Symphonikern noch Hoffnung machen?

RADUNSKI: Bis zum Ende der kommenden Saison ist die Finanzierung gesichert.Die endgültige Entscheidung liegt sowieso beim Parlament, das spätestens Anfang Dezember über den Haushalt 1999 entscheiden muß.Es kommt nun darauf an, daß die Orchestergewerkschaft Bereitschaft zeigt, die vertraglichen Rahmenbedingungen der Musiker wirklich spürbar zu verändern.Solange sie im Sondertarifvertag nicht unzweideutig von der Besitzstandswahrung abrückt, werde ich ihn nicht unterschreiben.

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