Kultur : Cellinis „Salzfass“ in Wien gestohlen

Paul Kreiner

Wie leicht die Diebe an eine der wertvollsten Skulpturen der Weltkunst gelangen konnten, empört Wiener Kriminalisten. Über ein Baugerüst waren die Täter in der Nacht zum Sonntag ins Kunsthistorische Museum eingestiegen und konnten mit einem Hammer den Glassturz zerschlagen, unter dem Cellinis Meisterwerk stand. Die Bewegungsmelder schlugen zwar an; die diensthabenden Wachleute registrierten gegen vier Uhr morgens den Alarm, schalteten die Warnanlage ab und unterbanden damit die automatische Weiterleitung an die Polizei. Sie gingen aber, gegen alle Vorschrift, nicht in den fraglichen Trakt, um nachzusehen. Erst vier Stunden später entdeckte eine Putzfrau die Scherben und die Lücke im Bestand.

Das „Salzfass“, italienisch „Saliera“, gilt als Mona Lisa unter den Skulpturen: Benvenuto Cellini, der skandalumwitterte florentinische Bildhauer, hatte den Tafelaufsatz zwischen 1540 und 1543 im Auftrag des französischen Königs gefertigt. Die „Saliera“ ist Cellinis einzige gesicherte Goldschmiedearbeit; vor gut 400 Jahren gelangte sie als Geschenk an den Habsburger-Erzherzog Ferdinand nach Wien. Ihr Wert soll mehr als 50 Millionen Euro betragen. Museumsdirektor Wilfried Seipel erklärte nach dem „Kunstraub gigantischen Ausmaßes“, das Werk sei unersetzlich.

Jetzt kursieren Spekulationen, wer hinter dem Zugriff stecken könnte. Die Täter hatten es ausschließlich auf die „Saliera“ abgesehen; das Raffael-Gemälde daneben ließen sie unbeachtet. Da Cellinis Werk als unverkäuflich gilt, nimmt Seipel als Auftraggeber einen „wahnsinnigen“ Privatsammler an oder einen Erpresser. Anita Gach, Leiterin der Kulturgutfahndung im Bundeskriminalamt, vermutet, die Skulptur werde wieder auftauchen. Auch die Mona Lisa sei schon gestohlen worden und nach zwei Jahren wiedergefunden worden. Wenn überhaupt, fände die Plastik allenfalls auf dem Schwarzmarkt Abnehmer. Dort würde das Salzfass als „heiße Ware“ aber nur einen geringen Teil des Schätzpreises von 50 Millionen Euro erzielen. Museumsdirektor Seipel hofft nur eines: Dass die Täter nicht auf die Idee kommen, das Werk einzuschmelzen. Der Materialwert sei minimal: Die „Saliera“ besteht außen aus dünnem Goldblech und innen aus Wachs.

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