Kultur : "Cello plus": Im Bann der Bassgeige

Carsten Niemann

Dass neben Mützen und Mänteln auch Celli in der Garderobe landeten, war kein Wunder, denn das Konzerthaus stand ganz im Banne der Bassgeige. Der Berliner Bassgeige, kann man hinzufügen, denn sowohl David Geringas im großen als auch Boris Pergamenschikow im kleinen Saal sind Professoren und Zierde der nahe gelegenen Hochschule für Musik Hanns Eisler. Ein guter Tag also, um die Festwoche zum 50. Jubiläum dieses Instituts zu eröffnen.

Pergamenschikow hatte seine Schüler und weitere Studenten mit auf das Podium gebracht. Auch ohne den Lehrer wäre es mehr als ein Trostpreis für den ausverkauften Geringas geworden. Souverän meisterte der Eleve Amit Peled mit der Flötistin Jenny Rost die "Enchanted Preludes" von Elliott Carter. Lässig und musikantisch, mit charaktervoll sprechendem Ton gab Claudio Bohorquez den Solopart von Hindemiths Kammermusik Nr. 3 für Cello und zehn Instrumente. Diese Instrumente rekrutierten sich aus dem Hochschulensemble ECHO unter der Leitung von Konstantia Gourzi; Hindemiths kontrapunktisch gemeißelte Linien hätten dabei vielleicht noch etwas durchsichtiger gestaltet werden können. In Mauricio Kagels "Match" ließ die Aufmerksamkeit dagegen manchen Zuhörer vorn an die Stuhlkante rutschen: Dank dem energischen Danjulo Ishizaka, der ironischen Elena Cheah sowie Luigi Gaggero, der sein skurriles Schlagzeugarsenal virtuos und komödiantisch bediente. Und der Meister selbst? Er legte mit der Geigerin Antje Weithaas ein Plädoyer für ein atonal-expressionistisches Frühwerk des Patrons Hanns Eisler hin und hypnotisierte mit Debussys später Sonate in d-moll: Mit fahlem Ton, der in Sekundenschnelle in ein von Aberwitz beseeltes Singen übergehen konnte oder gar in bluesigen Glissandi abschmierte. Ein sympathischer Konzertabend, der mindestens so sehr gemeinsames Musizieren sein wollte wie Leistungsschau.

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