Kultur : Centerum Censeo

So glatt auch alles gelaufen ist bei der Euro-Einführung: Haben wir da nicht wenigstens ein kleines Sprachproblem? Es wird jetzt darüber gestritten, ob der Cent als "Tsent" mit Anlaut wie im Deutschen Zelt oder als "Sent" wie in Englischen self auszusprechen sei. Außerdem darüber, ob sein Plural Cent, Cents oder Cente heißt.

Als europäische Währungseinheit ist Cent kein Anglizismus, sondern eine (zumindest indirekte) Entlehnung aus dem Lateinischen. Für Latinismen gibt es eine im Deutschen gut etablierte Aussprache, die sich von der des klassischen Lateins erheblich unterscheidet. In ihr wird das "c" vor dem folgenden Vokal als "ts" gesprochen, von Cicero über Caesium bis zu ceterum censeo. Der Deutsche sagt "Tsent", der Franzose "sÄa:" und der Engländer "sent". Vielleicht sagen einige Sprecher des Deutschen - und besonders des Berlinischen - auch "sent", aber bestimmt nicht die Mehrheit. Ebenso hören wir ja auch "Oiro", "Öro" und "Juro". Die orthographische Eindeutschung als Zent kommt nicht infrage, weil im Geschriebenen Internationalität gefordert ist und das "z" in keiner europäischen Orthographie so belegt ist wie in der deutschen.

Noch einfacher ist die Pluralbildung. Als Maßeinheit benötigt weder Euro noch Cent eine spezielle Pluralform. Niemand sagt ja, er brauche zwei Kilos Kartoffeln, 500 Grämmer Gold oder vier Märker. Sowie ein Substantiv zur Maßeinheit wird, verliert es die Pluralform. Man sieht das an Verwendungen wie 10 Sack Mehl oder 100 Blatt Papier. Wieso braucht der Cent etwas, was nicht einmal die Mark hatte? Der Plural in Das sind 5 Pfennige bedeutet so viel wie "5 Pfennigstücke", das heißt, man verwendet hier die Maßeinheit gerade nicht. Dasselbe ist bei Euro und Cent möglich, beide dann natürlich mit "s"-Plural: Hast du Euros, oder vielleicht sogar Cents? Der "s"-Plural wird schon deshalb gewählt, weil die Pluralform international verwendbar sein soll und auch im Deutschen zulässig ist. Hier geht es um Grammatik, nicht um Aussprache.

Nimmt man beim Euro den normalen Sprachgebrauch zum Maß, dann haben weder die Sprache noch der normale Sprecher ein Problem - sondern allenfalls übereifrige Sprachhüter und Sprachregler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben