Kultur : Cerith Wyn Evans

Peter Herbstreuth

Die Werke des 1958 geborene Cerith Wyn Evans reden, bis ihnen die Energie entzogen wird. Er war 1997 bei „Sensation“ im Hamburger Bahnhof beteiligt. Doch ihn nach all den Jahren als Young British Artist zu labeln, kommt nur schlichten Gemütern in den Sinn. Seine beachtliche Qualität liegt darin, Pflanzen, Neonröhren, Spiegel, Projektionen, Licht durch ein Meer von Referenzen zum Sprechen zu bringen. Die Ideen sind literarisch, seine Umsetzungen theatral. Deshalb gewinnen Ausstellungsobjekte den Status von Akteuren, die Wyn Evans’ Drehbüchern folgen. Er begeistert sich für postmoderne Legenden. Zum Beispiel für die von den Cowboys aus Colorado, die auf einem Friedhof ein Loch in den Himmel schossen und verblüfft realisieren, dass sie auf einer Bühne stehen. Der Himmel erschien ihnen nun unergründlich wie ein Schnürboden. In entsprechender Umkehrung richtete der Künstler zur Biennale in Venedig eine Lichtkanone frontal gegen den Nachthimmel, bis nach drei Tagen der Strom abgestellt wurde und der Strahl wie ein Engel vom Himmel fiel. Das Bild verwandelt sich in ein Ereignis und das Lichtzeichen in eine Botschaft aus dem Geist der Technik. In der Galerie Neu (Philippsstraße 13, bis 2. Juli) ließ er nun einen kitschfidelen Leuchter aus Murano mit bunten mundgeblasenen Blumen in Bauchhöhe hängen (Preis auf Anfrage). Er ist mit einem Text von George Bataille („Die Sprache der Blumen“) verbunden, der in Morsezeichen übersetzt den gigantischen Leuchter flackern lässt. Kurz, kurz, lang. Das Licht spricht. Der Leuchter rekapituliert Text. Und wenn er am Ende angekommen ist,beginnt er wieder von vorn.

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