Kultur : CHANSON

NORBERT TEFELSKI

Die Bar jeder Vernunft ist ein Luxusdampfer der 30er Jahre.Drei Damen sitzen an der Reling und reden: die egomanische Diva, die patente Vaudeville-Tante, das sensible Boheme-Pflänzchen.Pseudobiografische Versatzstücke dienen als Vorwand für allerlei Witz-komm-raus-Fitzelchen.Aua.Schnell mal ein paar lustige Charaktere zusammenschustern - das geht fast immer schief.Aber singen können sie, "Die blauen Engel" aus München (bis 27.9., Di-So 20 Uhr 30).Von Peter Igelhoffs Onkel-Doktor-Lied über Glenn Millers "Moonlight Serenade" bis zu everybodys "My Way" erklingen jede Menge Ohrwürmer.Das Augenfutter bleibt weitgehend auf die Kostüme beschränkt: Dauerwellen, weiße Blusen und blaue Matrosenhosen.Naja.Nach der Pause - das ist so üblich - erscheinen sie in edlen Abendroben.Und geben noch mal alles.Aus kreativen Untiefen herbei gezerrte Einfälle sollen den Liederabend "All on board" dramaturgisch aufbereiten: ein bißchen niederländeln, jiddeln, japaneseln - und plötzlich ist Weihnachten.Warum? Um sich gegenseitig die eigene CD zu schenken.Was noch? Drei, vier deutlich parodistische Titel, à la Caterina Valente oder Zarah Leander, wecken die Aufmerksamkeit: "Jambalaya", "You Always Hurt The One You Love", "Just A Gigolo".Der Rest ist professioneller Closed-Harmony-Gesang mit tadellos swingender Herrencombo - angenehm, aber kaum geeignet für andachtsvolles Sitzen, Schweigen, Lauschen, Gucken gar.Da hör ich doch lieber gleich die Andrew Sisters, zu Hause beim Bügeln.

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