Kultur : Charismatiker

Der Tenor Franco Corelli ist 82-jährig in Mailand gestorben

Carsten Niemann

Er galt unbestritten als einer der ganz großen Tenöre des 20. Jahrhunderts, auch wenn er von den Opernliebhabern bisweilen noch frenetischer gefeiert wurde als von der Kritik. Geboren wurde der Jahrhundertsänger Franco Corelli 1921 in Ancona. Er studierte Gesang an den Konservatorien von Pesaro und Mailand, legte aber bei der Entwicklung seines Könnens Wert auf das autodidaktische Studium von Schallplattenaufnahmen seiner Vorbilder.

Am Anfang der zahlreichen Rollen, die der ebenso charismatische wie gut aussehende Tenor in seiner Karriere verkörpern sollte, stand sein Don José in Bizets Carmen 1951 beim Festival von Spoleto. Ebenfalls als Widerpart einer starken Frau gelang ihm drei Jahre später der Durchbruch zu seiner Weltkarriere, als er in Mailand an der Seite von Maria Callas die Rolle des Licino in Spontinis „La Vestale“ interpretierte. Mit der Callas verband ihn sein starkes Talent als Schauspieler, eine außerordentliche Expressivität, die sich aber auch gerne in kraftstrotzend zur Schau gestellten Spitzentönen entlud, sowie die Gabe, selbst die Schwächen seiner Stimme (neben seinem Lispeln eine gewisse metallische Härte) durch Musikalität, Bühnenpräsenz und lyrisches Gespür zum einzigartigen Charakteristikum aufzuwerten.

Regelmäßig wurde Franco Corelli an der New Yorker Met gefeiert: Hier debütierte er 1960 als Manrico in Verdis „Trovatore“. Hier stand er zwischen 1961 und 1975 ganze 386 mal auf der Bühne, bis er 1976 seine Opernkarriere beendete. Franco Corelli starb am Mittwoch in Mailand, wo er seit August im Krankenhaus behandelt worden war.

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