Kultur : Charles Regnier: Adel der Seele

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Seine letzte Szene im Kino, wie so oft in einer Nebenrolle, hat etwas Unauslöschliches. Er gab den Vater der verwirrten Gisela Elsner, er war der sanfte, schwache - und im wirklichen Leben auch schon kranke - Gegenpol der unerbittlichen Helga Göhring; er war die letzte zerbrechliche Hoffnung einer fast schon zerbrochenen Tochter, er war der Gute im gutbürgerlichen Elternhaus der "Unberührbaren" von Oskar Roehler: ein rührendes Denkmal der Vaterliebe, längst erfasst von einem größeren Strudel.

Ein Unberührbarer war Charles Regnier selbst nicht, wohl aber ein in aller Verletzlichkeit Unbeugbarer, ja, die vielleicht eleganteste Gestalt unter den deutschen Schauspielern, ein - mitunter zwielichtiger - Weltmann, ein Adliger der Seele. Geboren in Freiburg in einem großbürgerlichen Milieu, dessen Wurzeln auch aus Frankreich stammten, aufgewachsen in Montreux, wurde Regnier schon Anfang der dreißiger Jahre Schauspieler in Berlin. Er floh vor den Nazis nach Italien und arbeitete später zunächst fürs Theater, wo er Pamela Wedekind, die Tochter des Dramatikers Frank Wedekinds, kennen lernte und später heiratete. In den fünfziger und sechziger Jahren hatte Regnier seine ganz Zeit beim Film und Fernsehen ("Canaris", "In der Sache J.Robert Oppeheimer"). In seinem letzten Lebensjahr wandte er sich, zusammen mit seiner zweiten Frau Sonja Ziemann, vor allem dem Boulevardtheater zu. Am Donnerstag ist Charles Regnier, der neben seiner Schauspielerarbeit auch Drehbücher schrieb, übersetzte und selbst inszenierte, mit 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

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