Kultur : Charmante Welt

Zum Tod der Berliner Sängerin Sieglinde Wagner

S.M.

Sieglinde Wagner war, obwohl aus Linz an der Donau stammend, eine Berliner Sängerin. Mit Elisabeth Grümmer, einer der schönsten Sopranstimmen, die an der Städtischen, später Deutschen Oper zu erleben waren, bildete sie als charmante Dorabella das Schwesternpaar in „Così fan tutte“. Es war eine heile, anmutige Mozart-Inszenierung, die der damalige Intendant Carl Ebert 1955 herausgebracht hatte.

Jahrelang schmückte sie den Spielplan an der Kant- und Bismarckstraße, bevor die Regisseure eine neuere Sicht auf die Geschichte um eine üble Prüfung der Weibertreue herausfanden. Ernst Haefliger, Herbert Brauer, Josef Greindl vertraten die Männerrollen der berühmten Aufführung – mit Lisa Otto als Despina eine typische Berliner Besetzung in einer Zeit, da die Ensembles noch ortsgebunden waren. 34 Jahre gehörte Sieglinde Wagner (bis 1984) diesem Westberliner Ensemble an, sang naturgemäß besonders gern die Carmen, sang auch neben Grümmer in Strauss’ „Capriccio“ und begleitete deren Pognertochter Eva als Amme Magdalena in den „Meistersingern“. Da sie über eine Mezzostimme verfügte, die auch Altpartien einschloss, war sie eine gern gehörte Oratoriensängerin. Auch manchen Liederabend mit aparten Programmen hat sie gegeben. Einen Höhepunkt ihrer Karriere erreichte sie mit der Hosenrolle des Cyrus in Händels „Belsazar“. Die Berliner Kammersängerin gehörte der Generation an, die ihre Karriere unter Dirigenten wie Rother, Klemperer, Cluytens und Böhm aufbauen konnte. So gelangte sie auch nach Bayreuth (mit kleineren Rollen), Salzburg und Glyndebourne. Am 31. Dezember ist Sieglinde Wagner im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben.

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