Kultur : Charmanter Häuptling aus Jugendtagen

Sanft und stolz: Gojko Mitic erzählt im Filmmuseum Anekdoten aus seinem Schauspielerleben

Andrea Schneider

Moderatorin und Medienwissenschaftlerin Jeanette Eggert gerät sichtlich in Konflikte, was ihren Gesprächspartner an diesem Donnerstagabend betrifft. Dieser kehrt über das Beantworten ihrer Fragen immer wieder in die eigene Vergangenheit zurück und fängt an, zu erzählen. Dabei findet er kein Ende, aber immer wieder einen Anfang und die Zuhörer, die den Weg ins Potsdamer Filmmuseum gefunden haben, hängen an den Lippen des charmanten Gastes, der kein geringerer als der in Jugoslawien geborene Schauspieler und Regisseur Gojko Mitic ist.

Sozusagen als verspäteten Geburtstagsgruß hatte man den „Winnetou des Ostens“ eingeladen und zwei seiner Filme ins Programm genommen. Mit „Präriejäger in Mexiko“ fiel die Wahl auf Mitics letzten Indianerfilm und der im Anschluss gezeigte Film „Esperanza“ ist seine letzte Kinoproduktion, die 2006 auf der Berlinale Eröffnungsfilm in der Perspektive Deutsches Kino war und in ihrer Machart nicht nur an die Filme von Kusturica oder Kaurismäki erinnert, sondern auch eine etwas andere Facette des Schauspielers zeigt. Durchaus charmant verkörpert er hier die Rolle eines gealterten kranken Malers, der auf der „Esperanza“, einer geisterhaften Fähre mit Kurs auf Kopenhagen, durch die junge Tänzerin Agnieszka Migala noch einmal mit seiner Vergangenheit in Berührung kommt, bevor er schließlich stirbt.

Eine sanfte Rolle, die nichts gemein hat mit dem eindrucksvollen, stolzen Indianerhäuptling, als den ihn viele aus ihrer Kindheit erinnern und auch heute noch ins Schwärmen geraten.

Keine Überraschung also, dass auch die Moderatorin sichtlich erfreut ist, neben dem Star aus Jungmädchentagen zu sitzen und ihn nach seinem bisher Geschaffenen zu befragen.

Dabei gerät der Anfang etwas holperig, denn Gojko Mitic, von Sternzeichen Zwilling, möchte sich, danach befragt, so gar nicht mit diesem identifizieren, da ihm der chinesische Drache, der ebenfalls sein Zeichen ist, aufgrund seiner Stärke viel besser gefällt.

Da fällt der Teil über die Schauspielerkarriere wesentlich spannender aus. Immer wieder weiß der Schauspieler Anekdoten aus seiner Drehzeit zu berichten und erzählt diese mal in leichtem Plauderton, mal mit viel Zuneigung oder auch sehr bewegt. Die DEFA drehte viele ihrer Indianerfilme in den Weiten der russischen Landschaft, in der Mongolei oder in Usbekistan. Da kam man mit Land und Leuten in Berührung und Mitic erinnert sich an zwei russische Hubschrauberpiloten, die sich eines Abends zu ihnen setzten, um mit ihnen zu trinken. Im Laufe des Gesprächs stellte sich dann heraus, dass die beiden zu diesem Zeitpunkt in Afghanistan stationiert waren, und am nächsten Tag wieder zurück sollten in dieses Land, in dem sie gegen einen Gegner kämpften, den sie nicht einmal sahen. Sogar Jahre später ist der Schauspieler noch sichtlich bewegt, als er die kleine Begebenheit erzählt.

Auch an den entscheidenden Moment seines Beginns als Hauptdarsteller in den Indianerfilmen der DEFA kann er sich noch erinnern. Er wollte gerade, komplett in Skigarnitur, seine Belgrader Wohnung verlassen, als das Telefon klingelte. Er überlegte hin und her, ob er zurückgehen und das Gespräch annehmen sollte. Ein Segen, dass er es tat, denn am anderen Ende der Leitung drängte ihn Jugoslavia Film, unbedingt zu kommen, denn es seien Gäste der DEFA da, die hätten seine Bilder gesehen und wollten ihn unbedingt besetzen. Was so eine kleine Entscheidung oftmals bewegen kann!

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