Kultur : Charmeoffensive

Die Buddy-Komödie „Prince Avalanche“ sorgt für gute Laune im WETTBEWERB.

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Ein seltsames Paar. Die texanischen Straßenmarkierer Lance (Emile Hirsch)
Ein seltsames Paar. Die texanischen Straßenmarkierer Lance (Emile Hirsch)

Die Bäume sind verkohlt im Naturschutzgebiet in Texas, ein Waldbrand hat hier gewütet. Aber allmählich sprießt zartes Gras auf der verbrannten Erde, eine grüne Raupe kriecht über das kohlrabenschwarze Geäst, und die Sonne taucht die Landschaft in mildes Licht. Stell dir vor, es ist Endzeit und Frühling zugleich, und zwei schräge Typen im Blaumann versorgen die Straße mit neuen Pfosten und gelber Mittelmarkierung. Alvin und Lance campieren (Paul Rudd, Emile Hirsch) am Wegrand und kabbeln sich den lieben langen Tag. Über die Musik im Kassettenrecorder, über das Wochenende, das Lance, der Jüngere, in der Stadt verbringen will, und über die Frauen. Alvin ist mit Lance’ Schwester liiert ...

Komödien auf Festival-Wettbewerben sind selten, nicht nur in Berlin. Filmkunst versteht sich in der Regel als ernste Sache (und Woody Allen läuft eh immer außer Konkurrenz). Um so schöner, wenn im Berlinale-Palast ausgiebig gelacht wird. Mit „Prince Avalanche“ von David Gordon Green, dem Remake einer isländischen Komödie von 2011, geht das Festival in die Charmeoffensive und bleibt sich doch treu. Am Mittwoch war Tag der Arbeit im Wettbewerb: erst das bewegende bosnische Dokudrama über einen Tag im Leben eines Schrottsammlers (S. 22), dann dieser vergnügt lakonische Film über texanische Straßenmarkierer. Auch hier bricht die Wirklichkeit in die Fiktion ein, wenn man das Werkzeug und die Handgriffe der beiden kennenlernt oder wenn Alvin an seinem einsamen Wald-Wochenende auf eine Frau trifft, die in den Trümmern ihres Hauses nach ihrem Pilotenschein sucht. Das Team stieß per Zufall auf sie. Am Ende kommen die echten Waldarbeiter ins Bild – Hommage an alle, die nach der Katastrophe die Ärmel hochkrempeln.

Der Rest ist pures Kino. Gewitzte Dialoge, knallbunte Farben, verspielte Details wie das Stinktier, das eine überfahrene Schildkröte beschnuppert. Ein rockig-psychedelischer Soundtrack, der wie eine Welle der Energie über die Bilder kommt. Und eine Kamera, die Alvin und Lance verdutzt zuschaut. Die beiden probieren selber Rollen aus, mal Vater und Sohn, mal Kumpel, mal Macho, mal traut sich Alvin beim Angeln, lasziv die Hüfte zu schwingen. Als er erfährt, dass die Freundin ihm den Laufpass gibt, und als Lance verrät, dass er eine 47-Jährige geschwängert hat, geht das Ego der beiden vollends aus dem Leim. Da helfen nur noch der Schnaps und die Lebensweisheiten, mit denen ein alter Lkw-Fahrer sie regelmäßig versorgt.

Einziger Wermutstropfen nach der Waldparty dieser sympathischen Wunderlinge: Seinen ersten Festivalerfolg hat „Prince Avalanche“ schon gefeiert, in Sundance, im Januar. Christiane Peitz

14.2., 12 Uhr und 15.2., 20.30 Uhr (Friedrichstadt-Palast), 17.2., 12.15 (Berlinale-Palast)

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