Cher wird 70 : Die Transformationskönigin

Von Flower-Power zu Dance-Pop, von schüchternem Hippie zu schriller Ikone: Die US-Sängerin und Schauspielerin Cher hat sich immer neu erfunden. Zum 70. Geburtstag.

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Cher bei einem Auftritt in Las Vegas.
Cher bei einem Auftritt in Las Vegas.Foto: dpa

Als Conchita Wurst Anfang Mai in Berlin auftrat, erzählte sie zwischen den Songs eine hübsche Anekdote: Unmittelbar nach ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest vor zwei Jahren erreichte sie eine Twitter-Gratulation von Cher, was bei der bärtigen Diva zu einem Monster-Freudenausbruch führte. Die Zeilen der Kollegin seien ihr sogar fast wichtiger als „diese Glasvase“ gewesen. Dass Cher gleich noch ein paar Verbesserungsvorschläge in Sachen Frisur und Name hinterherzwitscherte, trübte die Freude zwar ein wenig, aber Cher bleibt ein Idol der Wurst, was sie mit einer schönen reduzierten Version des Songs „Believe“ unter Beweis stellte.

Das Stück aus dem Jahr 1998 war der bislang letzte Welthit von Cher, die damit nicht nur den größten Verkaufserfolg ihrer Karriere erzielte und eine neue Generation von Fans erreichte, sondern auch den Auto-Tune-Effekt populär machte. Diese Tonhöhenkorrektur-Software dient eigentlich dazu, gesangliche Fehlleistungen zu korrigieren und wurde durch den übertriebenen Einsatz zu einem Stilmittel, das sich bis heute ungebrochener Beliebtheit in der Popmusik erfreut. Dass ausgerechnet Cher diesen die Künstlichkeit ausstellenden Effekt hitparadentauglich machte, passte perfekt zu dieser Sängerin und Schauspielerin, deren Körper schon damals offensichtlich mittels Schönheitsoperationen verändert wurde.

„I Got You Babe“ war der Durchbruch für Sonny & Cher

Zur Welt kam Cher 1946 im kalifornischen El Centro mit dem Namen Cherilyn Sarkisian. Ihre Eltern, eine Cherokee-Indianerin und ein armenischstämmiger Lastwagenfahrer, hatten nicht viel Geld. So begann Cher schon mit 17 als Backgroundsängerin zu jobben, wobei sie den elf Jahre älteren Sonny Bono traf. Die beiden heirateten 1964 und sangen zusammen, erst erfolglos als Caesar & Cleo, dann erfolgreich als Sonny & Cher. Der Durchbruch gelang ihnen 1965 mit dem Nummer-eins-Hit „I Got You Babe“. Gleichzeitig brachte Cher auch Soloalben heraus; mit „Bang Bang (My Baby Shot Me Down)“ und „ You Better Sit Down Kids“ gelangen Top-Ten-Titel. Mit dem Ende der Flower-Power-Ära sank auch der Stern von Sonny & Cher. Nach zehn Jahren Ehe reichte Cher die Scheidung ein, setzte ihre Karriere aber unbeirrt fort und heiratete bald darauf Gregg Allman.

Schon in den Sechzigern war Cher ein paar Mal in Filmen aufgetreten, doch erst in den Achtzigern nahm ihre Schauspielkarriere, die sich immer gewünscht hatte, richtig Fahrt auf. Bereits ihre zweite größere Rolle – sie spielte eine Arbeiterin in Mike Nichols’ AKW-Drama „Silkwood“ – brachte ihr eine Oscarnominierung ein. Anschließend bewies sie ein gutes Gespür für publicityträchtige Rollen und wirkte in mehreren Blockbustern mit, darunter die Horrorkomödie „Die Hexen von Eastwick“ und das Liebesdrama „Mondsüchtig“ an der Seite von Nicolas Cage, wofür sie 1987 den Oscar als Beste Hauptdarstellerin bekam. Stark auch ihre Darstellung einer alleinerziehenden Mutter in dem Sixties-Drama „Meerjungfrauen küssen besser“, für dessen Soundtrack sie „The Shoop Shoop Song (It's In His Kiss)“ coverte.

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