Kultur : Chillen mit Stars

Erholung vom großen Auftritt in der Phaeton-Lounge – in Smoking und Jeans

Elisabeth Binder

Weiße Sitzkissen auf hellbraunen Holzbänken, leiser Elektrobeat aus den Lautsprechern, und immer mal wieder landen die kultigen „Borchardt“-Schnitzelchen auf fliegenden Untertassen auf den schmaln Tischen, auf denen schon Oliven und Hors d’ Oeuvres warten.

In der „Phaeton-Lounge“ gleich hinter dem Borchardt erholen sich die Stars von großen Galas und Auftritten auf dem roten Teppich. Hier hat VW, der Hauptsponsor des Festivals, einen Rückzugsraum eingerichtet, in dem die Devise gilt: „Come as you are“. Auf den Bänken verteilen sich die Gäste entsprechend unterschiedlich: in Smoking oder Jeans, in Abendrobe oder Cargo-Hose, alles ist erlaubt. Nur keine Kamera. Man ist unter sich, Zutritt gibt es nur über die Gästeliste. Wenn ein berühmter Produzent hier mal gleich fünf Mädchen im Arm hat, bleibt das in der Familie. Festivalchef Dieter Kosslick schickt manchmal Gäste hierher, die auf der Suche nach einer Kneipe sind, in der sie garantiert hochkarätiges Berlinale-Publikum treffen. Schon zum dritten Mal hat VW diese Lounge während der Berlinale eingerichtet, und sie wird nicht nur von den Teilnehmern immer intensiver genutzt, die dort mal gern ein Glas Champagner trinken zum Runterkommen oder auch nur ein zünftiges Bier.

„Der Hype wächst von Jahr zu Jahr“, stöhnt Gäste-Managerin Emanuela Wilm. Schon lange bevor die ersten Spots des Festivals aufleuchten, bekommt sie Anfragen, vor allem von Politikern, die unbedingt dabei sein wollen, wenn es glitzert und perlt und Berlin in seine goldenen Nächte eintaucht. Für die Wolfsburger Autohersteller ist das Engagement auf der Berlinale deshalb wichtig, weil ein Phänomen aus den USA immer mehr auch auf Europa übergreift. Dort geben die großen Stars die Trends vor, man erinnere sich nur an den Aufstieg der Juicy Couture, nachdem Madonna darin abgelichtet wurde. Auf ähnliche Weise wurde der VW „Jetta“ dort ein solcher Hit, dass er auf besonderen Wunsch der Veranstalter bei den Teddy- Awards zum Einsatz kommen soll.

Diskretion ist das Prinzip der Lounge, zu der die Stars normalerweise in Phaeton-Limousinen hinchauffiert werden. Hier finden auch Berliner Erholung, denen die Berlinale Extraarbeit beschert. Designerin Anna von Griesheim muss derzeit oft extrem kurzfristig Abendroben liefern. Spontaneität ist bei den Stars verbreitet. Wie bei ganz normalen Clubgängern.

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