Kultur : China: Ai Weiwei wurde in Haft ständig beobachtet

In seiner 80-tägigen Haftzeit war der chinesische Künstler Ai Weiwei unter ständiger Beobachtung. Zwei Polizisten teilten den Raum mit ihm und beobachteten ihn sogar unter der Dusche oder auf der Toilette, sagte seine Schwester Gao Ge in Peking. „Für den Fall, dass er Selbstmord begehen sollte, mussten sie 24 Stunden am Tag über ihn wachen, während immer das Licht brannte.“ Der 54-Jährige habe erzählt, dass er ständig auf- und abgegangen sei, um sich zu bewegen. Der Künstler war am 22. Juni auf Kaution freigelassen worden; wegen seines Ausreiseverbots weiß er auch nicht, wann er seine Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste antreten kann. „Ich werde reisen, wenn mir erlaubt wird, China zu verlassen“, teilte Ai Weiwei mit. Am Donnerstag war es in einer Anhörung auf dem Pekinger Steueramt um die Zahlungsforderungen in Höhe von 1,3 Millionen Euro gegangen, an der Ais Frau Lu Qing als Vertreterin des Studios und ein Anwalt teilnahmen. Nun warte man, so der Anwalt, auf eine „Mitteilung über die Strafe“. Ai Weiwei werden Steuervergehen vorgeworfen, als wahrer Hintergrund werden jedoch seine regimekritischen Äußerungen vermutet.

Unterdessen hat das Kunsthaus Bregenz eine Ausstellung über das architektonische Schaffen Ais eröffnet, für die der Künstler vor seiner Inhaftierung ein Projekt geschaffen hatte. Für „Ordos 100“ ließ er 100 internationale Architekturbüros Modelle für Einfamilienhäuser in der mongolischen Steppe entwerfen. dpa

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