Kultur : China: Ai Weiweis Atelier soll abgerissen werden

Der Chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei lädt im Internet für Sonntag zur „Abriss-Party“ in sein Schanghaier Atelier ein – und stellt sich damit erneut gegen die Regierung seines Landes. Vorausgegangen war ein Behördenbeschluss, der den Künstler auffordert, seine angeblich illegal erbaute Werkstatt zu räumen. Dem drohenden Abriss will er mit einem „Flusskrebs-Fest“ zuvorkommen. Die Gäste werden mit Wein und 10 000 Flusskrebsen verköstigt. Nicht ohne Hintergedanken, denn der chinesiche Name der Schalentiere ähnelt im Klang sehr dem von der Zensurbehörde gerne gebrauchten Wort „harmonisieren“.

Nach eigenen Angaben hatte der Künstler das Atelier vor zwei Jahren auf Drängen der Stadt bezogen. Das Viertel sollte durch den Zuzug mehrerer Künstler aufgewertet werden. Ai Weiwei zeigte sich sehr überrascht, dass die Verantwortlichen nun den Abriss seines Atelierneubaus fordern. Schon mehrfach war es zu Konflikten zwischen Weiwei und den chinesischen Behörden gekommen. Als der Künstler nach dem Erdbeben 2008 die Hintergründe des Einsturzes einer Schule in der Provinz Sichuan untersuchen wollte, wurde er von Polizisten attackiert und erlitt eine Hirnblutung. Derzeit zeigt er seine Installation „Sunflower Seeds“ in der Londoner Tate Modern: Mit einem Teppich aus 150 Tonnen mit Porzellan überzogenen Samen will Ai Weiwei junge Chinesen ermutigen, sich öffentlich zu äußern. In Berlin zeigt die Galerie Alexander Ochs in der Sophienstraße in Mitte noch bis zum 20. November Arbeiten des Künstlers.

Den Zeitpunkt des Flusskrebs-Festes hat Ai Weiwei gut gewählt, denn das Shanghai Art Museum lädt noch bis Ende Februar zur Biennale ein. Der Künstler dürfte mit seiner Aktion also erneut international Aufsehen erregen. Unklar ist allerdings, ob Weiwei, der noch ein weiteres Atelier in Peking besitzt, am Sonntag selbst anwesend sein wird. JW (mit AFP)

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