Chitti Kasemkitvatana in der Daad-Galerie : Eine klösterliche Übung

Der in Thailand geborene Künstler Chitti Kasemkitvatana stellt in der Daad-Galerie aus. Seine Inszenierung aus Gegenständen ist eine Anregung, weniger in Gegensätzen zu denken.

Claudia Wahjudi
 Chitti Kasemkitvatana in der Daad-Galerie. Foto: Jens Ziehe
Kristallkugeln, Fotos, hölzerne Dodekaeder: Chitti Kasemkitvatana in der Daad-Galerie.Foto: Jens Ziehe

Diese Ausstellung ist ein Geschenk – nicht nur, weil es Freude macht, die feinen Bändchen aufzuschnüren, mit denen die grauen Mappen in der Daad-Galerie zugebunden sind. Wer die Pappdeckel öffnet, findet darunter Porträtfotos, Hefte, Farbkopien und Ausdrucke von Internetartikeln. Die Papiere haben zunächst wenig miteinander zu tun. Sie handeln von Rama IV., der zwischen 1851 bis 1868 König von Siam war, von römischer Geometrie, Weltraumforschung und Schülerprotesten in Bangkok.

Chitti Kasemkitvatana, 2014 Stipendiat des Daad, hat die Unterlagen zusammengestellt: kundig ausgewählte Informationen, viel gelehrter als das, was sich im Lexikon oder im Internet auf die Schnelle dazu finden lässt. Ein Tisch mit Bänken lädt ein, sich sitzend zu vertiefen. Es lohnt sich. Danach weiß der Leser, was abendländische Geometrie und Sternenkunde mit Rama IV. zu tun haben, und er ahnt, warum der aufgeklärte König weitsichtiger gewesen sein könnte als die derzeitigen Machthaber von Thailand.

Ein Mönch, der Kunst macht

Doch der Tisch befindet sich bereits im zweiten Saal der Daad-Galerie. Der erste mit seiner Fensterfront weckt die Neugier von Passanten. Kobaltblau gestrichen, ähnelt er halb einer Boutique, halb einem Labor – mit vier verschieden hohen weißen Tischen. Auf ihnen hat Kasemkitvatana Gegenstände arrangiert, Kristallkugeln und Fotos, hölzerne Dodekaeder und Kopien eines Gemäldes mit Lotusblüte aus dem 19. Jahrhundert. An der Wand hängt das Foto einer jungen Frau. Auf Publikumsansprache versteht sich Kasemkitvatana: Der 1969 in Thailand geborene Künstler war früher Radiomoderator und Kurator – bevor er mehrere Jahre in einem buddhistischen Kloster lebte.

Chitti Kasemkitvatana in der Daad-Galerie. Foto: Jens Ziehe
Weckt die Neugier der Passanten: Kobaltblauer Anstrich bei Chitti Kasemkitvatana in der Daad-Galerie.Foto: Jens Ziehe

Auch als Mönch, so berichtet Kasemkitvatana, habe er Kunst gemacht. Er wollte wissen, ob sich das Erlernte in religiöser Umgebung fortsetzen lässt. Seit seiner Rückkehr aus dem Kloster versucht er seine spirituellen Erfahrungen in die Kunst einzubringen. So erinnert seine Inszenierung aus Gegenständen beim Daad an eine klösterliche Übung, ebenso seine Anregung, weniger in Gegensätzen zu denken. Rom und Siam, Abend- und Morgenland, Gestern und Heute sind bei ihm keine Opponenten, sondern bedingen sich gegenseitig. Die Ruhe, die hier herrscht, kommt einer Meditation nahe. Chitti Kasemkitvatanas Geschenk besteht in der Einladung an den Besucher, sich in seiner Ausstellung konzentriert in aufmerksam und analog aufbereitete Gedanken eines anderen Menschen versenken zu können.

Daad-Galerie, Zimmerstr. 90, bis 31. 10.; Mo bis Sa 11–18 Uhr

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