Kultur : Chorschlusspanik

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf nimmt mit,

was er noch kriegen kann

Es reicht ja schon ein Blick in den Konzertkalender, um in Torschlusspanik zu verfallen: Eins nach dem anderen verabschieden sich die Berliner Orchester in den Sommerurlaub – da heißt es jetzt, Konzerte abgreifen, wo es noch geht, um die klassikarme Schonzeit bis Anfang September zu überstehen. Denn, Young Euro Classic hin oder her, für die geliebten Berliner Hausorchester ist das natürlich kein Ersatz, sondern nur ein Trostpflaster. Wie immer ist das Saisonende noch mal richtig mit Terminen vollgepackt, vor der Nulldiät ab 6. Juli, dem Tag des letzten BSO–Konzerts, konfrontieren einen die versammelten Klangkörper noch einmal so richtig mit der Überfülle der KlassikWelthauptstadt. Was jeden Tag vor eine neue Entscheidung stellt: Folgt man etwa der Empfehlung der Kritik auf der Kulturseite gegenüber und hört sich die Staatskapelle und Mikko Franck mit der fabelhaften Aufführung von Sibelius’ fünfter Sinfonie an, muss man schweren Herzens auf das Berliner Sinfonie-Orchester verzichten, das parallel im Konzerthaus mit seinem Chef Eliahu Inbal Bruckners „Romantische“ spielt. Nutzt man hingegen das BSO-Wiederholungskonzert am Sonnabend - schließlich gilt Inbal seit seiner Aufnahmeserie der Sinfonien in Urversion als Bruckner-Kapazität - kommt einem das genauso viel versprechende Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters mit Ton Koopman in der Philharmonie in die Quere. Und ob man am Sonntagnachmittag dann schon wieder in der Lage ist, sich im Konzerthaus die Berliner Symphoniker und ihren Chef Lior Shambadal mit Tschaikowskys „Pathetique“ anzuhören, ist zumindest zweifelhaft. Zum Glück ist wenigstens das Waldbühnenkonzert der Philharmoniker am Sonntagabend restlos ausverkauft. Die Wahl ist auch so schon schwer genug.

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