Kultur : Christine Jackob-Marks: Berge versetzen

Elfi Kreis

"Bergbaufolgelandschaften" nennt man in der Niederlausitz, was der über Jahrhunderte betriebene Abbau von Braukohle zurück gelassen hat: Eine zerstörte Landschaft, unwirtlich und vegetationslos. Der Tagebergbau hat ganze Regionen in eine Abfolge riesiger Erdlöcher mit steilen Abbruchkanten, Abraumberge mit Grundwasserseen verwandelt. Das Zauberwort des Prinzips Hoffnung für diese kargen Landstriche dagegen heißt "Renaturierung". Die Wunden des Raubbaus sollen heilen, aber das geht sehr langsam und hinterlässt Narben, die heute noch für jeden sichtbar sind.

Die Malerin Christine Jackob-Marks hat diese herbe Landschaft der markanten Brüche bereist. Gemeinsam mit einem Künstlerfreund, dem Fotografen Will McBride, war sie in der Niederlausitz unterwegs. Beide haben fotografiert, doch Jackob-Marks benutzt die Aufnahmen nur als als Vorlage für ihre Malerei. Unter dem Ausstellungstitel "Erd-Wandlungen" zeigt die Galerie Eva Poll die unter dem Eindruck der Reise entstandenen Gemälde. Schon bei früheren Bildzyklen zeigte sich Jackob-Marks fasziniert von der "Kraft der Natur", die es schafft, sich allen Zerstörungsversuchen des Menschen zu widersetzen. Vielfach machte sie bedrohte Naturräume und Ökosysteme zum Thema ihrer Gemälde. In ihren aktuellen Arbeiten stellt sie aufragende Steilwände, aufgeschüttete Erdmassen oder tiefe Kraterschluchten als dunkle, schwarzbraune Farbzonen ins Zentrum der nahezu abstrakten Kompositionen. Die triste Landschaft transportiert sie in eine reduzierte, fast sachlich nüchternen Bildsprache. Dem entsprechen die zurückhaltenden Erdfarben der Gemälde und die Titel, die Jackob-Marks ihren Serien gibt: "Abbruchkante", "Randbereich" oder "Zwischenlandschaft" (ab 9000 bis 20 000 Mark). Einigen Flächen verleiht Jackob-Marks eine kleinteilige Binnenstruktur. Solche Farbzonen erinnern an die Oberfläche korrodierten Metalls, an die Reaktionsfläche nach Ablauf chemischer Prozesse. Bei "Reifenspur" sind es die plastischen Profilspuren der gigantischen Schaufelbagger-Ungetüme, von denen sich die Künstlerin zu abstrakten, malerischen Wegmustern und Bildstrukturen anregen lässt. Zwar verursachen diese Bilder keinen Bergrutsch, aber der handwerklich solide aufgearbeitete Ausflug in die Braunkohle ist zu einer eidrucksvollen Ausstellung über den Umgang mit Landschaft geworden.

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