Kultur : Christine Perthen: Seismografisch

Nicholas Körber

"Irgendetwas in mir zeichnet. Bin ich ein Seismograph?" So beschreibt Christine Perthen sich selbst. Das Bild ruft die Vorstellung einer Künstlerin hervor, die, als Erschütterte, immerfort Erschütterungen aufzeichnet. Ihr Zeichenduktus ist in der Tat einer seismographischen Linie ähnlich, die niemals endet. Diese Linie lässt Figuren in der Fläche entstehen und beraubt sie dann wieder ihrer Plastizität. Wo die Linie über Farbgebung und Schattierung stark dominiert, gewinnt die Darstellung einen flächigen, ornamentalen Charakter: Von der Strukturierung der gezeichneten Körper, zur Destrukurierung hin zum Ornament - um diese Bewegung kreisen die Arbeiten von Christine Perthen, deren grafische Arbeiten der letzten 25 Jahre in Berlin in der Galerie M sowie in der Galerie Lux zu sehen sind.

Der prozessuale Charakter des künstlerischen Mediums Zeichnung steht dabei im Vordergrund. Die Professin an der Kunsthochschule Weißensee schildert die Geschichte eines Motivs in ihrem Atelier. Dabei zeigen sich Metamorphosen identischer Figuren, unterschiedlichen Techniken behandelt. Vor allem Radierungen und Aquatinten, aber auch Lithographien, Kohlezeichnungen und Übermalungen produziert die Künstlerin. Ihr geht es dabei um den provisorischen Chasrakter dieser Techniken.

Inhaltlich driften die Szenerien ins Düstere. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Reihe "Imaginationen", in der in unterschiedlichen Techniken die Darstellungsmöglichkeiten eines liegenden Paares ausgelotet werden, das sich in extremer räumlicher Verkürzung dem Betrachter entgegenstreckt. Der nie enden wollende Strich viviseziert die Figuren. Die Körper werden so lange gezeichnet, schraffiert, schattiert bis sie wie Skelette wirken. Das Verfahren ist symptomatisch: Durch die Linienführung werden stark romantisch anmutende Sujets jeder Sentimentalität beraubt.

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