Christo bei den Berlinale-Talents : Größer, höher, breiter

Christo und seine verstorbene Frau Jean-Claude stehen für das Ermöglichen des Unmöglichen in der Kunst. Beim Nachwuchsprogramm der Berlinale macht der Visionär den Filmschaffenden Mut.

Carolin Haentjes
Für immer ein Visionär. Christo hat auch mit 81 Jahren noch Pläne.
Für immer ein Visionär. Christo hat auch mit 81 Jahren noch Pläne.Foto: Jens Kalaene/dpa

Wenn einer weiß, wie Visionen Wirklichkeit werden, dann er. Alle Projekte, die Christo zusammen mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jean-Claude realisiert hat, schienen vorab unmöglich. Bis die beiden sie doch realisiert haben, wenn auch erst nach Jahrzehnten.

An diesem Nachmittag soll der 81-jährige Christo bei den „Berlinale Talents“, dem Nachwuchsprogramm der Berlinale, jungen Filmschaffenden Mut machen, etwas zu wagen. Aber Christo ist, wie bei seiner Kunst, weniger an langen Erklärungen interessiert, als an einer Interaktion mit der Umgebung. Mit einer halbstündigen Power-Point-Präsentation jagt er durch alle Werke, die das Künstlerpaar in über fünfzig Jahren gemeinsamer Arbeit realisiert haben: Verhüllte Römische Mauer, verhüllter Pont Neuf, verhüllter Reichstag. Pink umflossene Inseln. Die Sonnenschirme in Japan und den USA, die 7500 Tore mit safrangelben Fahnen im New Yorker Central Park.

Und dann will er mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Denn seine Kunst entsteht nur unter der Mitwirkung. Das war bei den „Floating Piers“ deutlich geworden: Die schwimmenden Stege in Safrangelb, die letzten Sommer über eine Million Menschen an den norditalienischen Iseosee lockten, wurden von eben diesen Menschenmassen, die übers Wasser wandelten mitgestaltet. „Ich war da“, sagt ein Mann aus dem Publikum, „und das war wie eine Prozession, ein heiliger Moment. Ich habe die ganze Zeit geweint.“

Weil alles auf Zeit ist, wurden die „Floating Piers“ und alle anderen Installation immer wieder abgebaut. Nur das nächste – und vielleicht letzte Projekt – des 81-Jährigen soll permanent sein: Eine Skulptur in der Wüste von Abu Dhabi. Die „Mastaba“ wäre das größte Kunstwerk der Welt. Wie viele Menschen allerdings einreisen dürfen und können, um sich daran zu berauschen, ist eine andere Frage. Der Vortrag im HAU hingegen ist ziemlich schnell vorbei.

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