Für "Opus" hat Schiller die Komfortzone verlassen.

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Christopher von Deylen alias Schiller : Jenseits der Komfortzone
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Christopher von Deylen auf dem Fernsehturm am Alex.
Hinter dem Künstlernamen "Schiller" verbirgt sich Christopher von Deylen - und gerne guckt er vom Fernsehturm am Alex auf die...Foto: privat

Am 30. August erscheint sein neues Album: „Opus“. Für von Deylen, der seit über zwölf Jahren eine anerkannte Größe im Pool der Elektromusiker ist, ist diese achte Platte ein solches „Verlassen der Komfortzone“. Denn er wagt sich hier auf das für ihn bisher eher unbekannte Parkett der klassischen Musik. Er zitiert Themen von Tschaikowski, Rachmaninow oder auch Erik Satie. Klassik-Größen wie die Starsopranistin Anna Netrebko, der Oboist Albrecht Meyer oder die französische Pianistin Hélène Grimaud gastieren bei einigen Stücken. Und doch ist von Deylen weder bekennender Klassik-Fan, noch kennt er sich besonders gut aus: „Es ist wie bei jedem Genre: Entweder ein Stück berührt mich oder nicht. Ganz gleich ob Klassik oder Krautrock.“

Wochenlang hörte sich Christopher von Deylen durch das schier unerschöpfliche Klassik-Repertoire, bis er auf ein paar magische Momente stieß. „Solveigs Lied“ von Edvard Grieg war so ein Moment für von Deylen. Auf „Opus“ „borgt“ er sich diese bekannten Passagen, verfremdet sie, indem er ihnen das gewohnte Schillersche Elektrogewand überwirft, ohne die Melodien jedoch gänzlich zu dekonstruieren. „Ich wollte die emotionale Essenz der Stücke verstärken“, sagt von Deylen. Als „Klangarchitekt“ versteht er sich, nicht als Missionar. Schiller ist nicht ausgezogen, um die Musik neu zu erfinden. Vielmehr hantiert er mit dem, was schon da ist. Für manche klingt das dann in der Bilanz nach abgeschmacktem Elektropop. Für andere haben seine sphärischen Klangwelten etwas Episches. So oder so, in dem Moment, wo Musik ein Gefühl auslöst, hat sie für von Deylen ihre volle Berechtigung.

Ob er sich deswegen, angesprochen auf seinen Namensgeber Schiller, nicht viel eher der Empfindsamkeit als dem Sturm und Drang zuordnen würde? Nein, würde er nicht. „Es muss ja schließlich immer weitergehen“, sagt von Deylen. So hat er dann auch schon eine Lösung für sein drohendes Post-Album-Abgabe-Trauma: Er geht auf Tour.

Alles also, bloß kein Stillstand. So könnte dann auch der Treffpunkt im sich unaufhörlich drehenden „Sphere“-Restaurant im Fernsehturm am Alex rückblickend nicht besser gewählt sein. Ein bisschen kitschig vielleicht. Aber auch das hat seine Berechtigung in Berlin.

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