Chrome im C-Club : Cyberpunk auf Sabbath-Spuren

Helios Creed, Gitarrist der Space-Punk-Pioniere Chrome, gibt an, klingen zu wollen wie Black Sabbath auf LSD. Dass die Band am Pfingstsonntag zeitgleich mit den Idolen auftrat, ist eine nette Fußnote. Dass es auch hier echt fetzige Musik zu hören gab, ist schön.

Volker Lüke

Irre: Während Black Sabbath in der Wuhlheide ihre Fans beglücken, landet im C-Club das Raumschiff der legendären Space-Punk-Pioniere Chrome. Deren Gitarrist Helios Creed sagt von sich, dass er versucht, jenen Sound zu imitieren, den er wahrgenommen hat, als er als Teenager auf LSD Black Sabbath gehört hat. Auf der Suche nach der aufregendsten Band des Planeten würden die Raumforscher schon mal in die engere Wahl fallen. Das Musikmagazin „The Wire“ hat ihr Album „Half Machine Lip Moves“ von 1979 in der Liste 100 Records that set the World on Fire auf Platz 15 gesetzt – und tatsächlich wirkten die frühen, zwischen Garagenrock und Soundcollagen großartig verspulten Platten des Duos aus San Francisco wie ein Schock auf den Pop- Fan der ausgehenden 70er Jahre.

Angeregt von den Cyberpunk-Autoren William Gibson und Phillip K. Dick machten Creed und sein Kompagnon Damon Edge als Erste verständlich, dass Alltagslärm durchaus inspirierend sein kann. Nach ihrer Trennung 1983 führte Edge das Projekt in die Bedeutungslosigkeit, während Creed seinen Ruf als Ausnahmegitarrist mit diversen Solo-Alben festigte. Bei der Live-Präsentation des neuen Albums „Feel It Like a Scientist“ wird der 57-Jährige von vier Gestalten begleitet, die selbst im dicksten Soundnebel nicht die Orientierung verlieren.

Man muss als Zuhörer schon den Kopf einschalten, um den Abschweifungen zu folgen, die den gesamten Höhenbereich in das tobende Zischen klaustrophobischer Zustände schrauben. Kein prätentiöses Gegniedel, sondern echt fetzige Musik. Outgefreakte Hardrock-Coolness mit brummender Space-Orgel, metallischer Kreischgitarre, Bollerbass und Polterschlagzeug. Eine Musik, der unser dreidimensionales Weltbild herzlich egal ist. Und wer über Jahre hinweg so einen an sich selbst entwickelten, abgeklärten, monolithischen Sound spielt, der die Songs kurz vor der Explosion im kritisch instabilen Zustand zu halten vermag, der kann sich auf treue Fans verlassen, die den Mann erleben wollen, der auf seiner langen Reise durch Spiralnebel-Sound-Galaxien und blühende LSD- Landschaften keinen Jota von seiner Bahn abgewichen ist.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben