Cigarettes After Sex live in Berlin : Versinken im Daunenbett

Cigarettes After Sex gaben ein minimalistisches Dream Pop-Konzert im Heimathafen Neukölln.

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Greg Gonzales, Sänger von Cigarettes After Sex.
Greg Gonzales, Sänger von Cigarettes After Sex.Foto: Promo

Acht Lieder in neun Jahren. Heutzutage reicht das für den musikalischen Durchbruch. Die New Yorker Band Cigarettes After Sex braucht keine Studioalben, Youtube ist ihre Plattform: Fast 50 Millionen Mal wurde ihr Lied „Nothing’s Gonna Hurt You Baby“ abgespielt. In Berliner Bars läuft es nach Mitternacht in Endlosschleife. Am Dienstag gastierte die Band im Neuköllner Heimathafen. Das Konzert war seit Wochen ausverkauft.

So zeitgemäß der Verbreitungsweg ihrer Lieder, so retrospektiv ist deren Inhalt. Die Band selbst nennt ihre Musik Ambient Pop. In ihrer Spielart dieser irgendwo zwischen Shoegaze und Dream Pop angesiedelten Musik dominieren atmosphärische, weite Klänge. Darüber schwebt häufig ein gehauchter Gesang. Ab den achtziger Jahren prägten Bands wie Cocteau Twins oder Low diesen Stil. Seit Ende der nuller Jahre erlebte der Dream Pop eine unerwartete Renaissance, als Bands wie The XX oder Beach House die ätherische Intimität zurück in den Mainstream brachten.

In diese Zeit fällt auch die Gründung von Cigarettes After Sex. Sänger Greg Gonzalez nahm 2008 die ersten Lieder in einer Nacht im Treppenhaus seiner Universität auf. Erst im zehnten Jahr des Bestehens, nach zahlreichen Touren durch die USA und Europa, erscheint nun am 9. Juni ihr Debütalbum.

Rauchig-androgyner Gesang

Noch reduzierter als die Diskografie der Band ist ihre Live-Performance. Die vier Musiker sind an diesem Abend ganz in Schwarz gekleidet. Hinter ihnen werden melancholisch dreinblickende Gesichter an die Wand projiziert. Der Bewegungsradius der Bandmitglieder ist auf etwa einen Quadratmeter beschränkt. Diese Darbietung als unprätentiös zu beschreiben, wäre stark untertrieben.

Greg Gonzalez’ tiefe, sonore Stimme wabert in den Ansagen in einer unverständlichen Frequenz. Der Gesang hingegen ist rauchig und androgyn. Ein Organ scheinbar ohne Geschlecht, das nicht zum Erscheinungsbild des bärtigen Gitarristen passen will.

In der Ankündigung versprach der Veranstalter, dass Cigarettes After Sex die Zeit in dunklen Samt verwandele, der sich schmeichelnd auf die Haut legt. Im Heimathafen fühlt es sich eher wie ein Daunenbett an. Der gleichbleibende, schleppende Rhythmus des Schlagzeugs. Die sphärischen, halb verhallten Gitarrenklänge – sie zeigen Wirkung: Viele Zuschauer gleiten spätestens zur Zugabe an den Wänden herunter oder versinken hinter der Brüstung der Empore.

Für die Band ist das sicherlich kein Affront: Gonzalez sagte erst kürzlich, dass es kein größeres Kompliment für ihn gebe als Menschen, denen seine Musik beim Einschlafen hilft.

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