Cinema for Peace : DiCaprio im Preisregen

Die Prominenz hatte sich zahlreich zur Gala "Cinema for Peace" im Konzerthaus angesag. Nicht nur Michail Gorbatschow, Ben Kingsley ind Diane Kruger kamen, sondern auch Leonardo DiCaprio. Bei der konkurrierenden Berlinale hat das glitzernde Filmfest nicht nur Freunde

Elisabeth Binder
Caprio
Prominente Gala-Besucher: Kingsley, Gorbatschow, DiCaprio (von links). -Foto: dpa

Die Stars auf dem roten Teppich am Konzerthaus am Gendarmenmarkt sind das eine, die zahlenden Gäste der Gala „Cinema for Peace“ das andere. 800 von ihnen ließen es sich zwischen 1000 und 2000 Euro kosten, um in einem Saal mit Michail Gorbatschow und Leonardo DiCaprio zu sitzen. In deren Gefolge waren am Montag auch die Schauspielerinnen Cathérine Deneuve und Diane Krueger, ihr Kollege Ben Kingsley, Pink-Floyd-Gründer Roger Waters, sein alter Musiker- Freund Bob Geldof, die früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Joschka Fischer und Regisseur Wim Wenders und die Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul.

Mehr als eine Spielfilmlänge saßen die Gäste vor ihren Vorspeisentellern, währen auf der Bühne viele Preise für viele gute Anliegen vergeben wurden. Verstohlen warfen Gorbatschow, Kingsley und DiCaprio – platziert am Ehrentisch – derweil Blicke auf ihre Redemanuskripte, ehe auch sie nach vorn durften.

Ben Kingsley beschrieb den 77-jährigen Gorbatschow als den Mann, „der die Tore der Reformen geöffnet hat, die demokratische Flut ausgelöst hat, die den Kalten Krieg weggewaschen hat“. Er lobte den früheren Staats- und Parteichef als „mutigsten Sohn Russlands, einen der einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts, der die Mauer zu Fall gebracht hat.“ Der im Umweltschutz engagierte Gorbatschow wiederum fand lobende Worte für DiCaprio.  Der Schauspieler erhielt den von BMW präsentierten „International Green Film Award“ für sein Engagement für die Umwelt und die Filmdokumentation „The 11th Hour“. Bilder der Zerstörung der Erde durch Raubbau werden darin gezeigt. „Die Krise ist da“, sagt DiCaprio in dem Streifen. „Der Planet hat die elfte Stunde erreicht. Ihr seid die Hoffnung.“Anschließend sollte ein Auto mit Autogrammen aller anwesenden Stars durch Auktionator Simon de Pury versteigert werden. Der Erlös war unter anderem für DiCaprios Umwelt-Stiftung gedacht. In der Stiftung hat der Schauspieler eine ihm sehr nahe stehenden Mitstreiterin: Seine aus Deutschland stammende Mutter Irmelin DiCaprio, die ebenfalls im Konzerthaus zu Gast war und sich über ein Foto auf der Großleinwand freuen konnte, das ihren Leo im Jahr 1988 an der Berliner Mauer zeigt.

Den DiCaprio-Laudator Gorbatschow im Jubiläumsjahr des Mauerfalls einzuladen, war allerdings eine gute Idee des Berliner BMW-Chefs Hans-Reiner Schröder. Schließlich gehört Gorbatschow, der das friedliche Ende des Kalten Kriegs erst möglich machte, auch zu den Mitinitiatoren des „Internationalen Grünen Kreuzes“ und ist Präsident der Internationalen Akademie für nachhaltige Entwicklungen. „Die Welt bewegt sich schnell, aber die Politik scheint stillzustehen“, sagte Gorbatschow. Er will dazu beitragen, eine internationale öffentliche Meinung zugunsten der Umwelt zu schaffen.

„Cinema for Peace“ zelebriert sich traditionell als Hochamt für den Frieden, die Stars versichern immer wieder, was für ein gutes Gefühl es ist, an so einer noblen Sache teilhaben zu dürfen. Am Ende singen immer alle gemeinsam „Imagine“, und auch sonst gibt es sorgfältig inszenierte emotionale Höhepunkte. Über Versuche, in den letzten Jahren mit immer mehr Preisen eine alternative Mini-Berlinale aufzubauen, war Festival-Chef Dieter Kosslick nicht glücklich. „Cinema for Peace“ hat mit der eigentlichen Berlinale nichts zu tun, profitiert nur vom Fahrwasser und von dem großen Kontingent an Stars, die sich zur Berlinale in der Stadt aufhalten und potenziellen Synergie-Effekten.

Gala- wie Berlinale-Gast ist Regisseur Gus Van Sant. Sein mehrfach Oscar-nominierter Streifen „Milk“ wurde im Konzerthaus als „wertvollster Film des Jahres“ ausgezeichnet. Cathérine Deneuve ehrte zudem seine Kollegen Leon Geller und Marcus Vetter für „Heart of Jenin“ als wertvollste Dokumentation. Pink-Floyd- Gründer Roger Waters sollte dann noch einen Ehrenpreis für das Konzert „The Wall“ 1990 am Potsdamer Platz erhalten, mit dem die legendäre Gruppe damals den Fall der Mauer zelebriert hatte.


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