CITY Lights : Aber bitte mit Sahne

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Fast im Wochenrhythmus werden in Berlin neue Filmreihen geboren. Ganz jung ist das im Lichtblick eingerichtete „FILMgourmand“, das sich als französische Reihe „mit dem Sahnehäubchen“ anpreist. Dabei bietet sich Letzteres entweder als begleitendes Kurzfilmdessert oder – wie diese Woche – als vollwertige Süßspeise an: Die Galette des Rois ist ein traditioneller Dreikönigs-Kuchen, der am Mittwoch nach der Vorstellung im Kinofoyer angeschnitten wird. Davor gibt es die belgisch-französische Koproduktion, die 2004 in Frankreich zum Überraschungsknüller wurde: Dabei verbindet Regisseur und Koautor Sam Garbarski in Der Tango der Rashevskis (OmU) mit dem Tango, dem Judentum und Belgien drei filmisch disparate Lebenswelten zu einem anrührenden Pastiche, das den Bogen epischer Familienerzählung in szenische Ellipsen auflöst und für die Öffnung überlieferter Kultur in Vielfalt plädiert. Das geht bis zum Walkürenritt-Klingelton im Handy eines greisen Nazi-Überlebenden. Und eine marrokanische Hochzeit gibt es auch.

Bei Garbarski setzt der Tod der charismatischen Großmutter die Restfamilie in identitätssuchende Bewegung. Auch in Sometimes happy, sometimes sad sind die älteren Frauen die Strippenzieherinnen hinter dem Patriachen. „My two favourite girlfriends“ beschmeichelt Rahul (Shah Rukh Khan) seine Omas, „it's all about loving your parents“ lautet das explizite Motto der opulenten, nahezu vierstündigen Bollywood-Produktion, die – wie passend – vom Sohn Karan (Regie) für den Vater Yash Kohar (Produktion) realisiert wurde. Umso schlichter der Plot: Im Millionärs-Setting zwischen britischem Elite-College, Privathubschraubern und prächtigen Anwesen wird nebst Einzug romantischer Liebe ins Familienmodell der Ausverkauf indischer Kultur an den Jetset verhandelt. Zu sehen ist der Megafeger aus dem Jahr 2001am Freitag im Arsenal – zum Ausklang des Magical-History-Schwerpunkts zur Filmmusik. Der perfekte Vor-Jahresendfilm.

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