Kultur : City Lights: Aguirre, der Zorn Gottes - und andere Filme

Werner Herzog wird zu den Regisseuren des Neuen deutschen Films gezählt. Das ist insofern gerechtfertigt, als er sich - wie Fassbinder, Kluge, Schlöndorff und Wenders - in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre etabliert hat. Doch viel mehr als zeitliche Parallelen sind kaum auszumachen. Die Qualitäten, die Aguirre, der Zorn Gottes (1972) zu einem internationalen Kultfilm haben werden lassen, stehen im Widerspruch zum Selbstverständnis dieser Regisseursgeneration. Die Vertreter des Neuen deutschen Films wollten alleinige Autoren ihrer Werke sein, sie hatten keine Lust, mit eigenwilligen Stars zu streiten. Herzog dagegen holte sich für die Hauptrolle den Exzentriker Klaus Kinski, der sich nichts vorschreiben ließ. Was das Drehteam zur Verzweiflung getrieben hat, macht für den Zuschauer den Hauptreiz aus: In "Aguirre" gibt es ein Spannungsverhältnis zwischen Regisseur und Hauptdarsteller, keiner ist die Marionette des anderen. Der spanische Conquistador Aguirre leitet 1560 eine Expedition durch die Anden, die in Wahnsinn und Tod endet. Aus dem Stoff hätte leicht eine vordergründige Anklage gegen den Kolonialismus werden können. Es spricht für Herzog, dass er Raum für Interpretationen lässt. Dazu gehört, dass die Figuren selbst in Paniksituationen schweigen - eine seltene Wohltat im geschwätzigen deutschen Film. Herzog kostet die Absurdität der Expedition voll aus. Schließlich ist da noch sein intensives Verhältnis zur Natur, das sein Werk von dem seiner Zeitgenossen abhebt (So im Freiluftkino Museumsinsel, Mo im Balasz).

Ein anderer deutscher Regisseur, Percy Adlon, hat sich zwar nicht auf den Amazonas gewagt, aber immerhin in die Mojave-Wüste. Hier drehte er mit Marianne Sägebrecht, CCH Pounder und Jack Palance Out of Rosenheim (1987), die Geschichte einer Touristin aus Bayern, die nach einem Streit mit ihrem Ehemann die Flucht ergreift und in einem abgelegenen Hotel landet. Sie macht sich zunächst unbeliebt, weil sie mit deutscher Gründlichkeit überall herumputzt. Später sind sie und die Bewohner der kleinen Ortschaft ein Herz und eine Seele. Der Film erinnert daran, was für eine unbequeme Darstellerin Marianne Sägebrecht einmal war. Heute sieht man sie nur noch als Gutmenschin, als kleine Frau aus dem Volk, die gegen soziales Unrecht kämpft. In "Out of Rosenheim" verleiht sie ihrer Figur auch strenge, dominante Züge, wirkt durchtrieben und listig - und deswegen nicht weniger sympathisch (Di im Thalia).

Gefallsüchtig ist Katrin Saß nie gewesen. Sie wurde dafür nach der Wende mit einem Karriereknick bestraft. Kürzlich erhielt sie für "Heidi M." den Deutschen Filmpreis, bereits 1982 brachte ihr Bürgschaft für ein Jahr auf der Berlinale den Silbernen Bären ein. In dieser DEFA-Produktion verkörpert sie eine alleinstehende Arbeiterin, die um das Sorgerecht für ihre drei Kinder kämpft. Der Film ist von der Tendenz her affirmativ, die asoziale Frau wird von der DDR-Gesellschaft aufgefangen. Aber der ruppige Ton von Katrin Saß suggeriert, dass diese Frau ihren Mitmenschen weiterhin Sorgen bereiten wird (So, Di, Mi in der Börse).

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