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CITY Lights : Alles so schön analog hier

14.11.2013 00:00 Uhrvon

Mit Computeranimationen kann man Sandstürme und Überschwemmungen täuschend echt aussehen lassen, antike Städte errichten, ohne einen einzigen Handwerker zu beschäftigen, und jede Menge Fabelwesen zum Leben erwecken. Nur bei Massenszenen versagt die Technik. Ob im Fußballstadion oder auf dem Schlachtfeld, immer sind die digitalen Komparsen sofort als solche erkennbar. Denn sie klatschen, schimpfen und schlagen synchron. Dass diese Szenen kaum beeindrucken, hat noch einen anderen Grund: Wir wissen, dass im besten Fall ein paar hundert Komparsen am Computer multipliziert wurden. Und die Werbeabteilung weiß, dass wir es wissen. Deshalb wird heute in der Welt des monumentalen Kinos auch lieber nicht mehr mit der Zahl der Mitwirkenden geworben.

Formulierungen wie „A Cast of Thousands!“ zieren kein Plakat mehr.

Das Epos In Old Chicago (1937) gehört zu den letzten Filmen, für die Massenszenen auf amerikanischem Boden gedreht worden sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Hollywoodstudios für entsprechende Schauwerte nach Italien oder Spanien ausweichen, bis auch dort die Lohnkosten stiegen (Freitag im Zeughauskino). Dem Regisseur Henry King standen unbegrenzte Mittel zur Verfügung, um den gewaltigen Brand zu rekonstruieren, dem 1871 große Teile von Chicago zum Opfer fielen. Sein Film stützt sich auf das Gerücht, die Kuh der Waschfrau Mrs. O’Leary – Alice Brady gewann für die Rolle der Waschfrau einen Oscar – habe eine Laterne umgestoßen und damit die Katastrophe ausgelöst. Das Feuer nimmt die letzten 20 Minuten in Anspruch. Man sieht echte Kulissen, die den Platz eines Flughafenfelds beanspruchen. Sie brennen wirklich. Mehrere tausend echte Komparsen rennen um ihr Leben, und als Zugabe gibt es wild gewordene Rinder. Das sieht furchterregend aus, dennoch gab es bei den Dreharbeiten keinen einzigen Toten.

Mit einem Blick in die ferne Vergangenheit beginnt das zweite Spanische Filmfest im Babylon Mitte. Zum Start der Reihe mit über 20 Langfilmen wird am Montag das stumme und schwarz-weiße, soeben für den Europäischen Filmpreis nominierte Stierkämpferinnendrama „Blancanieves“ gezeigt, das in zwei Wochen bundesweit im Kino startet. An eine weitere vergessene Tradition erinnert der Gruselfilm O Apóstolo, den der galizische Regisseur Fernando Cortizo im Stop-Motion-Verfahren gedreht hat (Dienstag und Mittwoch). Die aus Silikon gefertigten Puppen hat er den Gesichtern der Darsteller angeglichen, die ihnen die Stimme leihen, darunter Geraldine Chaplin und Luis Tosar. Für die Musik konnte er Philip Glass gewinnen. Aktuelle Konflikte dagegen behandelt Santiago Zannou in Alacrán enamorado, zu Deutsch „Der verliebte Skorpion“ (Mittwoch). Es geht darin um einen Jugendlichen, der sich von seinen Neonazi-Freunden lösen möchte. Als deren Anführer feiert Javier Bardem ein Comeback in seiner Heimat: Seinen letzten spanischen Film hat er vor zehn Jahren gedreht – Woody Allens „Vicky Cristina Barcelona“ (2008) war eine US-amerikanische und „Biutiful“ (2010) von Alejandro González Iñárritu eine mexikanische Produktion. Ohne Bardems Engagement hätte dieses thematisch ehrgeizige und ausschließlich mit spanischem Geld finanzierte Projekt wahrscheinlich kaum Geldgeber gefunden.

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