CITY Lights : Bring mir den Kopf von Nostradamus!

von

Fritz Lang – ein Schauspielerinnenregisseur? Seine Liebe galt der Architektur, Menschen waren für ihn meist Teil der Kulisse. Und sofern man den Frauen in seinem Werk Beachtung schenkt, dann allenfalls im Zusammenhang mit Gewaltdarstellungen. In The Big Heat (1953) stirbt die Ehefrau des Helden durch eine Bombenexplosion, und einer Gangsterbraut, verkörpert von Gloria Grahame, wird brühheißer Kaffee ins Gesicht geschüttet. Sie immerhin ist in dem Film, den das Zeughauskino heute im Rahmen seiner vollständigen Fritz-Lang-Retrospektive zeigt, kein wehrloses Opfer. Sie manipuliert und mordet und ist mit ihrer Kaltblütigkeit kein Einzelfall in Langs Werk. In seinem vorletzten Stummfilm Spione (1928) gibt Gerda Maurus eine Art Jane Bond: Sie ist so clever wie gutaussehend, und nebenbei findet sie sogar die große Liebe (Sonnabend). Gleich vier Filme hat Lang mit Joan Bennett gedreht. In The Woman in the Window (1944) und Scarlet Street (1945) bringt sie einen verheirateten Mann um den Verstand – eher als Kumpel denn als femme fatale, doch gerade das macht sie gefährlich (Dienstag und Mittwoch).

Ein anderer Emigrant aus dem ersten Naziherrschaftsjahr 1933 ist Billy Wilder. Seinen kleinen Bruder nannte er einen „langweiligen Hurensohn“ – womöglich auch, weil W. Lee Wilder Schundfilme inszenierte, die nie vorgaben, etwas anderes zu sein. Der Mann ohne Körper (1957) handelt von einem Millionär, der an einem Gehirntumor erkrankt. Macht nichts, wenn man Geld hat, schließlich lässt sich jederzeit intakter Ersatz beschaffen. Da ist das Beste gerade gut genug: das Gehirn von Nostradamus. Warum es nach 400 Jahren unter der Erde nicht verwest ist? Das sollte man hier besser nicht fragen (Montag, Babylon Mitte). Überhaupt gehört der Humor bei W. Lee – anders als der seines großen Bruders – zur eher unfreiwilligen Art. Ein Langweiler aber war auch er auf keinen Fall.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben