CITY Lights : China und anderswo

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Seit 45 Jahren macht Harun Farocki Filme. Die Worte des Vorsitzenden (1967) heißt einer seiner ersten, und er braucht nur wenige Minuten, um die einleitenden Worte Lin Piaos zum gleichnamigen Büchlein fast wortgenau in scheinrevolutionäre Tat umzusetzen und aus den Blättern der Mao-Bibel Papierflieger zu bauen, mit denen ein Pappkamerad des Schahs abgeschossen wird. Einen ,Dadaisten des Maoismus hat der Filmwissenschaftler Klaus Kreimeier deshalb Farocki genannt. Heute ist der damalige Filmstudent selbst Professor und am Mittwoch mit diesem und zwei anderen frühen Filmen in der Reihe „Auf Anfang“ im Lichtblick zu Gast. Dabei auch Ein Bild (1983), der in kommentarlosen 25 Minuten zeigt, wie eine Handvoll Menschen drei Tage lang mit großem Ernst und noch größerem technischen Aufwand an der Herstellung perfekt erotisierter Weiblichkeit für ein Playmate-Foto laborieren.

Lin Piao fiel 1971 in Ungnade. 2009 feierte die VR China ihren 60. Geburtstag auch mit einem Film, der die letzten Kämpfe zwischen Kuomintang und Revolutionsgarden ganz hollywoodgerecht um die Liebeskonkurrenz zweier politischer Kontrahenten ansiedelt. Vermutlich wegen seines Propagandacharakters hat Autumn Love/Qiu Xi (Regie: Sun Zhou) in Deutschland bislang keinen Verleih gefunden. Am Freitag ist der Film – von DVD mit englischen Untertiteln – im wöchentlichen Chinaclub in der Friedenauer Cranachstr.1 sehen.

Als Geburtstagsgeschenk sowjetischer Filmschaffender zum Zwanzigsten der ebenfalls 1949 gegründeten DDR entstand in „kameradschaftlicher Zusammenarbeit“ zwischen der Defa und Moskau Towarisch Berlin (Brotfabrik, bis Mittwoch); der Film erinnert mahnend an den Krieg, beschwört zugleich die sowjetisch-deutsche Freundschaft und betreibt reichlich Mauerbau-Propaganda. Das erhellende Dokument Berliner Stadtgeschichte aus der baulichen Hoch-Zeit der Ulbricht-Ära (mit halb fertigem Fernsehturm im Hintergrund) ist Teil des Programms „Filmstadt Berlin“, mit dem der Progress-Verleih Berliner Kinos bespielt.

Und noch ein Gedenken, ein aktuelles: Am Freitag zeigt das Babylon Mitte – in Anwesenheit von Hauptdarstellerin Renate Blume und anderen Gästen – Konrad Wolfs Verfilmung von Christa Wolfs Romans Der geteilte Himmel. Eine der jüngst verstorbenen Künstlerin gewidmete Filmreihe folgt am selben Ort.

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