CITY Lights : Der Prunk der frühen Jahre

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Die ersten Filme waren kurz. Dass sie bei der Vorführung nicht unbedingt so lautlos daherkamen wie der Begriff Stummfilm anzeigt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dass das frühe Kino oft in prächtigen Farben prunkte, ist weniger bekannt. Dieser Unkenntnis abhelfen soll der Montagabend im Arsenal, wo im zweiten Durchgang der umgestalteten Magical History Tour dreizehn kurze Filme aus den Jahren 1905 bis 13 die verschiedenen Verfahren vorstellen, aus schwarz-weißem Filmmaterial schillernde Farbwelten zu generieren: Viragieren im Farbbad, das Kolorieren per Hand oder Schablone oder das Toning, wo nur die Silberteilchen der Filmemulsion einer chemischen Prozedur unterzogen werden, die ihnen das Schwarz aus- und andere Töne eintreibt. Nachtstimmungen, Feuersbrünste und Wälder lassen sich so auf die Leinwand zaubern, aber auch in aufwendiger Handarbeit fein abgesetzte Details etwa in den zauberhaften Féerien wie dem Huhn mit den goldenen Eiern der französischen Pathé.

Mit den frühesten Filmen kam fast sofort auch die Erotik ins Kino. Und auch hier war die Pathé anfangs ein bedeutender Mitspieler, bis dann im Zuge kommerzieller Ausdifferenzierung der Schmuddelsektor dem Rest der Geschäfte schädlich zu werden drohte. Heute sind pornografisch bewegte Bilder aus dem öffentlichen Kinoleben fast ganz verschwunden und in die Videotheken und ins Netz verbannt. Doch in Berlin gibt es seit 2006 ein eigens dem erotischen und pornografischen Film gewidmetes Filmfestival, dessen Betreiber versuchen, dem Genre neues Leben einzuhauchen.

Heute Abend wird das Pornfilmfestival Berlin im Kreuzberger Moviemento mit Zach Clarks Krankenschwestern-Sexkomödie Modern Love is Automatic (Wiederholung am Sonntag) eröffnet. Neben diversen Vorträgen und Workshops steht auch hier der kurze Film im Zentrum mit einem Wettbewerbsprogramm (morgen Abend, Wiederholung am Samstag), das auch zwei Filme aus weiblicher Regiehand beinhaltet. Sonst reicht das inhaltliche Spektrum des aus der Berliner schwulen Filmszene hervorgegangenen Events von leicht verständlichen Programmkategorien wie Fun Porn oder Tierische Liebe bis zum sogenannten Meta Porn. Schön säuberlich werden dabei im Programm bei jedem Film die Zusatzstoffe mit Etiketten von H (heterosexuell) und D (Dokumentarfilm) über L (lesbisch), X (explizite Sexszenen), T (Transgender) und Ft (Fetisch) bis F (Filme von Frauen) und SW (Filme zum Thema Sexindustrie) ausgezeichnet. Der Eröffnungsfilm etwa ist H (Nicht-)X Ft. Praktisch ist das schon, zeigt aber auch die Verschubladisierung der Szene. Was passiert wohl, wenn ein Blümchensex-Hetero in einen L-X-Ft-Film gerät? Na klar. Es gibt einen allergischen Anfall.

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