CITY Lights : Der steinige Weg

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Den wenigsten Schauspielern gelingt auf Anhieb der Durchbruch – aber so lange wie Sharon Stone hat niemand gewartet. Als sie vor 19 Jahren mit „Basic Instinct“ zum Star wurde, hatte sie bereits in über 30 Filmen mitgewirkt. Waren die wirklich so schlecht, wie Stone immer behauptet? Dass sie das gewisse Etwas lange vor „Basic Instinct“ hatte, zeigt Wes Cravens Deadly Blessing (1981), ein Hinterwäldler-Horrorfilm, in dem die Anhänger einer Sekte gegen vermeintliche Ketzer vorgehen (Montag im Babylon Mitte). Stone teilt sich die Rolle der verfolgten Unschuld mit Maren Jensen, die in der Badewanne von einer Schlange überrascht wird. Auch Stone muss sich einem Härtetest unterziehen und eine dicke Spinne über ihr Gesicht kriechen lassen. Die Liebhaber des schrägen Films seien jedoch gewarnt: „Deadly Blessing“ ist weder geschmacklos noch dilettantisch, sondern für die Reagan-Ära ziemlich mutig in seiner Religionskritik.

Mutig war seinerzeit auch Robert A. Stemmles Toxi (1952): Unter den eingeschulten westdeutschen Kindern befanden sich auffallend viele mit dunkler Hautfarbe. In Hollywood hätte man das Thema gar nicht behandeln dürfen, da die US-Zensur bereits die Andeutung so genannter „miscegenation“ („Rassenmischung“) untersagte. Das Mädchen Toxi wird von den Eltern ausgesetzt, und die Deutschen können ihre Toleranz beweisen – im Rahmen einer Komödie (Montag, Eva-Lichtspiele). Die sechsjährige Elfie Fiegert wurde damals als „pikante Mischung aus Urwald und bayerischem Dorf“ angepriesen; der Film plädiert auch nicht für Integration, sondern für liebevolle Entsorgung: Am Ende taucht der leibliche Vater auf und nimmt das Kind mit in die USA. Immerhin erhielt die Produktion Dankesbriefe von deutschen Frauen, die Kinder von schwarzen GIs hatten und sich erstmals repräsentiert sahen.

Toxis Großmutter wird von Johanna Hofer verkörpert, der Witwe von Fritz Kortner. Eine besonders schöne Altersrolle hat sie neben Wolfgang Kieling im TV-Film Im Reservat (1973), den Peter Beauvais nach einem Script von Peter Stripp inszenierte (Freitag und Samstag, Zeughauskino). Das Reservat, ein West-Berliner Mietshaus, soll abgerissen werden; die älteren Mieter wollen nicht gehen. Der Titel ist doppeldeutig: Kieling verkörpert einen Transvestiten, der sich nur in seiner vertrauten Nachbarschaft akzeptiert fühlt.

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