Kultur : City Lights: "Empire" und weitere Filme

Silvia Hallensleben

Ein New Yorker Hochhaus im Wandel der Tages-, nein Nachtzeiten. Andy Warhols Empire macht den Auftakt der großen Andy-Warhol-Film-Retrospektive, die die Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie begleitet. Warhols achtstündige Hommage an das damals und nun wieder höchste Gebäude New Yorks, das Empire State Building, ist gedreht in einer Juni-Nacht 1964 und einer einzigen unbewegten Einstellung aus dem 44. Stockwerk des benachbarten Time-Life-Gebäudes - ein filmisches Monument, belebt nur vom Spiel der Lichts im und um das Gebäude. Und das wohl radikalste Beispiel für die erste Schaffensphase des Filmemachers Warhol, wo er mit Echtzeit-Experimenten und äußerster Reduzierung die Möglichkeiten des Films bis an die Grenzen testet. Begleitet wird die Lange Nacht des Wolkenkratzers von den DJs Mo und El Puma des Elektro Music Department (im Arsenal am Dienstag, fortlaufender Einlass).

Eine andere groß angelegte Werkschau eines ehemaligen Underground-Künstlers wird diese Woche erst im Potsdamer Filmmuseum und dann im Arsenal eröffnet, mit Nebenschauplätzen im International und Delphi: Pedro Almodovar ist sicher der schrillste, immer noch der aufregendste, aber auch der anrührendste spanische Regisseur. Eröffnet wird die Reihe mit einer in Deutschland kaum bekannten Tragikomödie, Womit habe ich das verdient (Qué he hecho yo para merecer esto?), 1984 gedreht, mit Carmen Maura und Angel de Andres Lopez. Eine Putzfrau, ein Taxifahrer, ein Dealer, ein Stricher: bereits eine Almodóvar-Familie, mit family values, sehr fern von Hollywood (Donnerstag im Filmmuseum Potsdam mit Gästen, Freitag im Arsenal).

Ein verdienstvolles Unternehmen nimmt jetzt wieder einmal in den Urgründen des Kinos seinen Anfang: Die Magical History Tour im Arsenal. Die Auswahl der Filme wurde aktualisiert, das Konzept ist geblieben: jeden Tag im Jahr ein Film - und in einem Jahr einmal quer durch die Filmgeschichte. Anfang Oktober geht der Blick zurück zu den ersten öffentlichen Filmvorführungen, 1895 durch die Brüder Skladanowski und Lumière im Berliner Wintergarten und im Pariser Grand Café. Lumières Eisenbahneinfahrt, Skladanowskis boxende Känguruhs. Alsdann kann man mit Lumières fantastischem Gegenspieler Georges Méliès zum Mond und zum Nordpol reisen. Merke: Wer bei Spielberg mitreden will, muss Méliès gesehen haben. Lumière natürlich auch (Dienstag und Mittwoch).

Noch etwas: Der Berliner Verleih Neue Visionen bringt die Filme Jean-Luc Godards nach und nach wieder ins Kino. Den Anfang machte "Außer Atem". Nun ist auch Godards vierter Film Die Geschichte der Nana S. (Vivre sa vie) erneut auf der Leinwand: zwölf Lektionen über Wirklichkeit und Kino, Männer und Frauen, Regisseure und Schauspielerinnen.

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