Kultur : City Lights: FilmSamstag und mehr

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Viele Filme kommen in der gewöhnlichen Filmberichterstattung kaum vor. Sie können höchst abstrakt oder ganz konkret sein, dokumentarisch oder experimentell, alt oder nagelneu. Gemeinsam ist ihnen eins: dass sie in kein Verleihschema passen. Es gibt auch die Leute, die solche Filme machen. Alte und junge, Profis und Amateure, immer aber Enthusiasten. Natürlich würden sie ihre Filme gerne im Kino sehen - nicht nur die eigenen, sondern auch die der Kollegen und Kolleginnen aus der Nachbarschaft und dem Rest der Welt. Drei von ihnen haben sich 1997 zusammengetan, um an einem FilmSamstag im Monat eine Auswahl von Filmen, die ihnen besonders am Herzen liegen, öffentlich zu präsentieren. Jetzt, nach einer kleinen Zwangs- (Babylon-Umbau) und Erholungspause, sind aus drei sieben geworden. Und der FilmSamstag geht weiter, mit leicht abgeändertem Konzept. Um den Kollektivismus nicht überzustrapazieren, werden sieben der zwölf Abende jeweils von einer Person gestaltet. Auch Gäste sind eingeladen.

Im Februar etwa beschäftigt sich der Schweizer Maler und Filmemacher Hannes Schüpbach mit den Beziehungen zwischen textilen und filmischen Strukturen. Neun Filme hat er ausgesucht, die den Bogen spannen von der ethnologischen Studie ("Beduinen am Rande der Negev Wüste" von Sonia Gidal, 1962) bis zum assoziativen Filmgedicht ("PP2" von M.M. Serra, 1986). Dabei üben sich die Filmsamstagler auch in einer heutzutage weitgehend ausgestorbenen Filmkunst: dem Programmieren. Also der Kunst, unterschiedliche Filme so zu verknüpfen, dass sie sich nicht nur zu einer abendlichen Einheit ergänzen, sondern auch gegenseitig reiben und befruchten (Film + Textil, Samstag 3.2., Babylon-Mitte)

Einen ganz anderen Ansatz hat das studentische Krähenfuß-Kollektiv, das seit Januar in der Humboldt-Uni unabhängig produzierte Videos zum Thema "Arbeit ist das halbe Leben" zeigt. Auch hier machen (Video-)Filmer Programm. Doch die Form ist eher Nebensache, die Sache dafür Programm: Hier wird das ansgesprochen, was sonst meist ausgeblendet wird, weil es angeblich niemand mehr interessiert. Am Sonntag geht es ins Berliner Alltagsleben, wobei die alltägliche Perspektive vieler Berliner ziemlich verkehrt werden dürfte. So bringt der Kurzfilm "Zwischen Abgas und Almosen" zwei der fixen Jungs näher, die Autofahrern an der Ampel mit dem Wischgummi an die Frontscheibe gehen. "Unsichtbare Hausarbeiterinnen" stellt die Lebenssituation von Frauen vor, die sich als Illegale mit Putzarbeit durchschlagen. Große Filmkunst ist das nicht, doch eine notwendige Wortmeldung aus dem verschwiegenen Innenleben der Stadt. Und ein Appell zur Änderung. Dafür sollte sich das Kino nicht zu fein sein. (Sonntag, 4.2., SBZ Krähenfuß, Humboldt-Universität, Eingang Dorotheenstraße.)

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