CITY Lights : Glanz und Glibber

Frank Noack feiert Maskenmänner,lässt John Travolta dahinschmelzen

Horrorfilme und biografische Filme haben etwas gemeinsam: Ihr eigentlicher Star ist in den meisten Fällen der Maskenbildner. Von ihm hängt es ab, ob wir Boris Karloff als Frankenstein akzeptieren oder Daniel Day-Lewis als Lincoln. Gedankt wird es ihm nur selten. Oscars für das beste Make-up werden erst seit 1982 verliehen, da waren die großen Pioniere auf dem Gebiet schon tot oder im Ruhestand. Zu ihnen gehörte Perc Westmore (1904 - 1970); sein Gummikopf für Charles Laughton als „Glöckner von Notre Dame“ bleibt unübertroffen. Bei William Dieterles Juarez (1939) machte er seine Arbeit fast zu gut, jedenfalls schimpfte der Produzent Jack Warner: „Wozu zahlen wir Paul Muni eine so hohe Gage, wenn man ihn gar nicht erkennt?“ Muni hatte sich auf biografische Filme spezialisiert; nach Louis Pasteur und Emile Zola war der mexikanische Präsident Benito Juarez an der Reihe. Der Star verschwand völlig hinter der Maske (Sonntag im Arsenal). Bette Davis hingegen ist unverkennbar: Als Witwe des hingerichteten Kaisers Maximilian verfällt sie dem Wahnsinn – und reißt den Film an sich.

Gleich drei aufwendige Masken wurden für Paul Lenis Das Wachsfigurenkabinett (1924) gestaltet. In einer urkomischen Episode stolpert Emil Jannings als kugelrunder Sultan durch ebenso kugelrunde Dekorationen, Conrad Veidt als Iwan der Schreckliche und Werner Krauss als Jack the Ripper sorgen für Gänsehaut – alle drei sind zum Leben erweckte Wachsfiguren. Lenis Werk gehört zu den besten des expressionistischen Ausstattungskinos; vom Rauschebart bis zur Tischdeko wurde alles aufeinander abgestimmt und einer geometrischen Form untergeordnet (Sonnabend im Arsenal).

Echte Wachsfiguren wurden bei dem Satanisten-Kultfilm Nachts, wenn die Leichen schreien (1975) eingesetzt. Der Originaltitel lautet „The Devil’s Rain“, wenn dieser Regen sich ergießt, schmelzen die Menschen dahin. Also wurden von den Darstellern, darunter John Travolta in seinem Leinwanddebüt, wächserne Doppelgänger angefertigt und erhitzt (Sonnabend im Babylon Mitte). Wie so oft bei billigen Horrorfilmen gibt es neben Schleim, Glibber und unfreiwilliger Komik ein paar starke Schockmomente. Die Besetzung ist überraschend gut: William Shatner, Ernest Borgnine, Ida Lupino. Und Anton LaVey, der Begründer der Church of Satan, wird im Vorspann als technischer Berater genannt. Er starb eines natürlichen Todes, in einem katholischen Krankenhaus – an Halloween.

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