CITY Lights : Heißer Sommer

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Kurz vor der letzten Ferienwoche kommt für ein paar Tage doch noch der Sommer nach Berlin, gut getimt zum Anlauf der klassischen Sommerlochprogramme. Das Tarkowskij-Spezial im Arsenal wurde schon ausführlich gewürdigt, auch wenn die Filme des russischen Altmeisters stimmungsmäßig eher in den Herbst gehören. „Sommerfilme“ verspricht die gleichnamige Reihe im Bundesplatz-Kino, die für ein eher gesetztes Publikum sonntags und montags nachmittags Leicht-Luftiges aus den Nachkriegsjahren bis 1967 auftischt.

Diese Woche ist das Kurt Hoffmans Verfilmung von Tucholskys – übrigens im Winter geschriebener – „Sommergeschichte“ Schloss Gripsholm (1963), die von Drehbuchautor Herbert Reinecker in die Zeit um 1960 versetzt wurde, wo prüde Zimmerwirtinnen immer noch scharf über die Herrenbesuche ihrer Untermieterinnen wachten und der etwas ältere Mann seine Geliebte „Prinzessin“, sie ihn „Daddy“ nennt. Die Komödie gibt sich als deutsche Antwort auf Truffauts „Jules und Jim“ und ist so bieder, dass die ursprüngliche ab-18- eigabe der FSK erstaunt. Heute ist der Film frei ab 6.

Sächsische Schüler und Schülerinnen im Ostsee-Ferienlager bevölkern das Defa-Musical Heißer Sommer (Regie: Joachim Hasler, 1967), das die Geschlechterfraktionen gleich in Mannschaftsstärke aufeinander losschickt. Die in lockerer Folge inszenierten und ein wenig unbeholfen zum großen Drama aufgebauschten Erlebnisse glänzen mit ein paar jugendlichen Aufmüpfigkeiten, bleiben im Kern aber aufgemotztes Fernsehballett. Der Film bekommt am Sonntag im Brotfabrik-Kino als Nummer 44 der Dauer-Reihe zu „Film und Psychoanalyse“ einen erfrischend ungewohnten und ernsthaften Kontext. Der Stadterleuchterin kommen dabei Wasser- und Absturz-Symboliken in den Sinn und die eindrückliche Liedzeile „Möwen fliegen nicht allein, ich kenn ihr Verlangen“. Seriöse Aufklärung ist aus dem anschließenden Vortrag des Psychoanalytikers Jens Preil zu erhoffen.

Ins Ferienlager geht es auch zu Anfang und Ende von François Truffauts Taschengeld (1976), der in der Introduktion in die große Sommerpause entlassene Kinderhorden jubilierend ins Freie stürmen lässt. Der im Gesamtwerk Truffauts unterschätzte Film spielt in einer französischen Kleinstadt und beobachtet mit Zärtlichkeit und Intimität die oft schwierigen Wege einer Gruppe Kinder beim Älterwerden. Er endet mit einem für Truffaut in der Form ungewöhnlich expliziten Plädoyer für Kinderrechte, das auf Truffauts eigene schwierige Kindheit verweist und auch heute noch traurig aktuell ist. Gezeigt wird der Film am Mittwoch im Lichtblick in der Reihe „film gourmand“ mit Kurzfilm und Kinder-Schokoladen-Buffet. Die Vorhersagen für Mittwoch liegen aktuell bei 22 Grad mit sechzigprozentiger Wahrscheinlichkeit für mäßigen Regen.

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