CITY Lights : Import, Export

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Das deutsch-amerikanische Team, das seit ein paar Tagen in Babelsberg den „Wolkenatlas“ verfilmt, feiert unfreiwillig ein Jubiläum. Vor 90 Jahren, am 19. Juni 1921, wurde im Hotel Adlon der Grundstein für die deutsch-amerikanischen Filmbeziehungen geschaffen, und eine für den US-Markt gedachte Großproduktion befand sich in Arbeit: Ernst Lubitsch inszenierte mit Emil Jannings in der Hauptrolle Das Weib des Pharao, ein Spektakel, dessen Welturaufführung im Februar 1922 in New York stattfand.

Obwohl Lubitschs Monumentalfilm kommerziell und künstlerisch ein Erfolg war, ist er in Vergessenheit geraten. Die Gründe sprechen für ihn: Er lässt sich weder dem Expressionismus noch der Neuen Sachlichkeit zuordnen, verbindet epische Wucht mit Leichtigkeit. Die restaurierte Fassung ist am Sonnabend im Neuen Museum zu bestaunen, mit Livebegleitung durch das WDR-Rundfunkorchester. Wer keine Karten mehr bekommt, kann sich die Übertragung im Babylon Mitte ansehen. Das Schicksal des Pharao ist von unerwarteter Aktualität: Krieg und Revolution zwingen ihn unterzutauchen; als er an seinen Hof zurückkehren will, erkennt ihn niemand mehr.

Um das Filmland Australien ist es still geworden. Seine bedeutendsten Künstler arbeiten in Hollywood, und ohne einen zugkräftigen Namen lässt sich ein Film nur schwer exportieren. An zugkräftigen Namen sind die Organisatoren des kleinen Festivals Down Under Berlin (Freitag bis Sonntag im Moviemento) auch weniger interessiert als an engagierten Außenseiterproduktionen über ethnische Minderheiten, überwiegend Aborigines. Eröffnet wird mit dem Dokumentarfilm Our Generation – Aboriginal Australia, auf den ein Podiumsgespräch mit Vertreterinnen der Hilfsorganisationen Amnesty International und Survival International folgt.

Eine rein deutsche Karriere hat Herbert Reinecker durchlebt: Öffentlichkeitsarbeit für die Waffen-SS, nach dem Krieg Drehbücher zu apologetischen Filmen über militärischen Widerstand gegen Hitler, schließlich Kultserien wie „Der Kommissar“ und „Derrick“. Das Zeughauskino veranstaltet eine Retrospektive mit dem mehrdeutigen Titel „Reineckers Geschichte“. Filme wie Der Fuchs von Paris (Freitag, Sonnabend) und Spion für Deutschland (Sonnabend, Sonntag) dokumentieren den (Un-)Geist der Adenauer-Ära.

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