CITY Lights  KINOSTARTS : Die Schlange auf dem Sofa TICKET

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In einer Woche beginnt die sechste Staffel der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“, in der B-Promis (diesmal ist die Ex von Michael Ballack dabei) zeigen können, wie viel Talent in ihren Beinen steckt. Würde sie ihre Karriere heute starten, wäre Cyd Charisse (1922–2008) sicher auch nur eine beliebige Soap-Opera-Schönheit, die bei „Let’s Dance“ ihr Können zeigen darf, um danach wieder im Seriensumpf zu verschwinden. Tatsächlich stand sie zehn Jahre bei MGM unter Vertrag, ohne groß aufzufallen. Erst Gene Kelly entdeckte ihr besonderes Talent. In Singin’ in the Rain (1952) tritt sie spät auf, ihre Rolle als Gangsterbraut ist irrelevant, aber ohne sie wäre der Film um einen Höhepunkt ärmer. (Dienstag im Arsenal).

Steptanz gehörte nicht zu ihrem Repertoire. Stattdessen räkelte sie sich, schlangenhaft, in eng anliegenden Kleidern auf Sofas oder auf dem Boden. Sie war 171 Zentimeter groß, unterkühlt, überlegen – und vor allem eine Tanzschauspielerin, die sich nur im Medium Film entfalten konnte. Ihre Stärke war die Halbnah-Einstellung. Die Kamera musste weit genug weg sein, um den gesamten Körper zu erfassen, und nah genug, damit man ihr Gesicht sehen konnte. Das Arsenal zeigt sechs ihrer schönsten Filme, darunter The Band Wagon (Montag) mit Fred Astaire und Brigadoon (Mittwoch) mit Gene Kelly, beide von Vincente Minnelli inszeniert.

Im Deutschland waren es ausschließlich Dokumentarfilmer, die sich mit Ballett befassten. Hugo Niebeling, den das Zeughauskino mit einer Retrospektive ehrt, hat eine Aufführung von „Giselle“ höchst eigenwillig festgehalten; daneben drehte er Industriefilme über Stahl, Petroleum und AgfaFototechnik. Sein ambitioniertestes Werk Es wäre gut, dass ein Mensch würde umbracht für das Volk (Freitag), ist 1991 völlig gefloppt, weil die Filmkritiker DDR-Bewältigungsdramen sehen wollten und das Publikum nach Beziehungskomödien verlangte. Eine filmische Umsetzung von Bachs Johannespassion erschien da völlig unzeitgemäß. Zum Glück ist Zelluloid geduldig, das Wiedersehen lohnt sich. Der 82-jährige Regisseur kommt persönlich zur Wiederaufführung.

Ein weiterhin schwach erforschtes Kapitel ist die Situation der nicht emigrierten deutschen Kommunisten, die sich im NS-Kino als Nebendarsteller betätigten. Einen von ihnen, Adolf Fischer (1900– 1984), kann man in dieser Woche gleich zweimal sehen. Als KPD-Aktivist spielt er sich in dem von Brecht mitverfassten Kuhle Wampe (1932) selber (Donnerstag und Freitag im Zeughauskino), während er in der Komödie Wie der Hase läuft (1937) den naiven Deppen vom Lande gibt (Mittwoch in den Eva-Lichtspielen). Aus Moskau bekamen Leute wie Fischer die Anweisung, unauffällig zu bleiben und auf keinen Fall Sabotageakte zu begehen. Nach dem Krieg galten sie gleichwohl als Duckmäuser. Nicht für den Defa-Gründungsvater Kurt Maetzig – er machte Fischer zu seinem Assistenten bei den legendären Thälmann-Filmen.

Eine Kritik zu Thomas Vinterbergs

„Die Jagd“ ist am 27. März erschienen. Alle Filmstarts der Woche finden

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