CITY Lights : Lieber Andreas, liebe Anna

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Beim Einsatz für Berliner StummfilmEvent-Einsätze stehen Walther Ruttmanns „Sinfonie der Großstadt“ – mit gefühlt wöchentlichem Einsatz – und Fritz Langs „Metropolis“ ganz vorn. Weniger beliebt bei Veranstaltern sind Langs 1924 entstandene Nibelungen, deren erster, zweieinhalb Stunden langer Teil zum Auftakt von drei Ufa-Filmnächten auf dem Schinkelplatz auf die Großleinwand kommt. Blonde Recken mögen erst mal verdächtig wirken und eine betrogene Walküre (toll wütend: Hanna Ralph) längst nicht so sexy wie Brigitte Held im Roboterlook. Dabei inszeniert Lang nach dem Drehbuch von Ehefrau Thea von Harbou seinen Helden Siegfried (herrlich unbedarft: Paul Richter) durchaus mit reizvollen Widersprüchen. Technisch prunkt das größtenteils im Babelsberger Studio realisierte Stück mit spektakulären Spezial- (Drache! Feuermeer!) und raffinierten Lichteffekten, für die die Beleuchter zerbrochene Bierkrüge an Strippen vor den Scheinwerfern herumtänzeln ließen. Beim Open Air heute Abend dabei: Pate Joachim Król und das Filmorchester Babelsberg.

Rund 60 Jahre später traf mit Andreas Dresen ein anderer junger Filmenthusiast in Babelsberg ein, der 1985 ein Volontariat bei der Defa antrat. Es folgte ein Regiestudium an der Filmhochschule, wo Lothar Bisky – der einstige Vorsitzende der Linken ist am Dienstag gestorben – gerade sein Amt als Rektor angetreten hatte. Welche Freiräume der neue Mann mit seiner Arbeit möglich machte, lässt sich gut an Dresens Studentenarbeiten ablesen, die jetzt wieder im Babelsberger Thalia-Kino zu sehen sein werden und unverblümt von Monotonie, Erstarrung und Ausbruchswünschen berichten. Der immer noch jungenhaft aussehende Regisseur wird morgen stattliche 50 und aus diesem Anlass in seiner Potsdamer Wahlheimat angemessen gefeiert: Im Thalia werden am Dienstag ab 14.30 Uhr in allen Sälen sämtliche Filme von Andreas Dresen gezeigt. Abends gibt es eine Gala, die auch einen kurzen Auftritt des Musikers Dresen mit Axel Prahl verspricht.

Noch einmal zurück zu Fritz Lang: In Jean-Luc Godards „Le mépris“ (1963) spielt der inzwischen 73-Jährige einen Regisseur, der unter widrigen Umständen einen Odysseus-Film drehen will. Star ist Brigitte Bardot. Godards eigene Muse – und Ehefrau – war da schon seit einigen Jahren Anna Karina, die dieser Tage Ehrengast beim Filmfestival von Locarno ist. Anlass genug für die Macher des Lichtblick-Kinos, der als Hanne Karen Beyer in Kopenhagen geborenen Schauspielerin eine kleine Hommage zu widmen unter anderem mit Pierrot le fou (1965, am Montag) – aus Godards produktivster dekonstruktivistischer Phase, die man vielleicht treffend auch die karinische nennen könnte.

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