CITY Lights : Macht und Räume

Während die Franzosen für ihre Renten auf die Straße gehen, entzünden sich deutsche Protestbewegungen an stadtplanerischen und ökologischen Fragen wie Stuttgart 21 oder Gorleben. Dabei spielt die Macht über Räume eine große Rolle. Auch das Kino ist ein von Interessenkonflikten geprägter Ort. So wandert der politische Film immer stärker in die Künste ab, weil er dort Präsentationsorte findet, die es im Kinosaal kaum mehr gibt.

Unter dem Motto „Der Standpunkt der Aufnahme“ geht es derzeit im Arsenal im Wochenrhythmus um politisches Filmemachen. Nächsten Mittwoch ist Elke Marhöfer zu Gast, die sich in Bauern! (Burkina Faso, 2007) und permeable super real (China, 2010) mit ländlichen Lebensverhältnissen im Globalisierungskontext auseinandersetzt und dabei ihre eigene Fremdheit gegenüber dem Gezeigten bewusst in das dokumentarische Setting einbezieht. Sie präsentiert zudem Trop tôt, trop tard (1981) von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub: Der Film gewinnt in Frankreich und Ägypten aus der Konfrontation historischer und zeitgenössischer Texte mit politisch aufgeladenen Landschaften intellektuelle Reibungsenergie. Es geht um ländliches Elend, verfehlte Revolutionen und die falsche Zeit.

Raum für Politkino gibt es regelmäßig im Lichtblick, wo heute Abend Surya Dash mit Niyamgiri – The Mountain of Law zu Gast ist, einer indischen TV-Produktion, die Statements und Kommentar zu einer bitter anklagenden Narration zusammenfügt. Anders aber als sonst in Reportagen verharrt hier die Kamera öfter bei einer Person oder einer erregten Debatte. Auch hier geht es um bäuerlichen Lebensraum: Niyamgiri ist ein Gebirge im Bundesstaat Orissa, in dem die einheimische Stammesbevölkerung gegen Bauxitabbau und eine illegal errichtete Aluminiumraffinerie kämpft. Für die Dongria Kondh ist das Naturschutzgebiet ein heiliger Berg, doch Regierungsoffizielle und Investoren tricksen sie aus, bedrohen sie und schrecken auch vor Mord nicht zurück. Die Konzerne führen gegen die traditionelle Subsistenzwirtschaft Krieg. Sie versprechen Arbeitsplätze und verseuchen stattdessen Pflanzen und Flüsse.

Auch urbane Ureinwohner werden seit langem aus Innenstädten in die Vorstädte und Slums verdrängt. Ein Prozess, der auch Berlin erreicht hat und seinen Niederschlag in einer Filmreihe zu BerlinMitte findet, mit der das Haus Schwarzenberg im Central 15. Geburtstag feiert. Am Dienstag ist Marco Wilms’ Mittendrin zu sehen: Vor nun auch schon wieder sieben Jahren holte er fünf Stadtbesetzer vor die Kamera, die in der kurzen wilden Zeit der Freiheit direkt nach dem Mauerfall noch alles für möglich hielten.

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