CITY Lights : Meister, Banausen, Profiteure

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Als die Ausstellung Gute Geschäfte, Kunsthandel in Berlin 1933-1945 im April im Centrum Judaicum startete, war die Presse des Lobes voll für die hervorragend recherchierte Schau. Jetzt sind die Kuratorinnen zwei Tage im Zeughaus-Kino zu Gast mit einem Sonderprogramm, das neben der Propagandakomödie (ja, das gibt es!) Venus vor Gericht (Hans Zerlett 1941, Mittwoch) in einem Doppel am Dienstag zwei kürzere Dokumentationen von Erwin Leiser zur NS-Kunstpolitik vorstellt. Während Hitlers Sonderauftrag Linz anhand des von Hitler geplanten „Führermuseums“ in seiner Heimatstadt 1987 das damals öffentlich noch eher unbekannte Sujet des NS- Kunstraubs vorstellt, befasst sich 1937 – Kunst und Macht (1992) mit der Rekonstruktion der 1937 im Münchner Haus der Kunst eröffneten Ausstellung zur „Entarteten Kunst“ und ihrem historischen Umfeld. Mit dabei neben Experten und Nazi-Chargen auch Kollateralgewinnler aus der Schweiz, wo man bei Auktionen der verfemten Werke einen Chagall für läppische 820 Franken erwerben und damit neben dem heimischen Museum die deutsche Kriegskasse füttern konnte. Inhaltlich dicht und anregend, oszillieren die TV-Produktionen ästhetisch munter zwischen kunstvollen Montagestrecken und fast formlosen Episoden, wo sich unbehauen Statement an Statement reiht.

In Europa wurden die Nazis als Kunsträuber wohl nur durch Napoleon übertroffen. Doch Europa ist nicht die Welt: Noch einmal 200 Jahre zuvor gab die Kirche den ideologischen Hintergrund für die imperialen Raubzüge vor, bei denen spanische Glücksritter mit geraubten Goldschätzen die königlichen Klingelbeutel füllten. Der bis jetzt eindringlichste filmische Repräsentant dieser Kaste ist der abtrünnige Pizarro-Gefolgsmann Lope de Aguirre, dem Werner Herzog und Klaus Kinski 1972 in Aguirre, der Zorn Gottes ein bleibendes Denkmal setzten. Der Film lässt sich am Samstag – ebenfalls im Zeughaus – besichtigen, als Teil einer letzten Freitag eröffneten recht umfassenden Herzog-Werkschau.

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