CITY Lights : Partner auf Augenhöhe

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Man kann sich dem Wesen eines Filmregisseurs nähern, indem man die Genres aufzählt, die er bedient hat. Das würde im Fall von Howard Hawks (1896-1977) zu viel Platz beanspruchen – hier ist es sinnvoller, auf die Genres hinzuweisen, die er ausgelassen hat. Von Hawks gibt es kein einziges Melodram, bei keinem seiner Filme greift man zum Taschentuch. Seine Frauen leiden nicht unter den Männern, sie kämpfen mit ihnen – oder gegen sie. Von Hawks gibt es auch keinen Thriller. Sein Bogart-Bacall-Klassiker „Tote schlafen fest“ ist im Grunde eine Komödie, in der nebenbei viel gemordet wird. Hawks legte Wert auf Tempo und bewahrte eine bewundernswerte Lockerheit. Seine Zeit war die Gegenwart.

Auch ohne Geburts- oder Todestag ist er ein häufiger Gast in den Repertoirekinos. Das Arsenal widmet ihm eine Reihe, die bis Ende Januar dauert und am Sonnabend mit einer Komödie aus dem Journalistenmilieu eröffnet wird. His Girl Friday (1940) basiert auf einem Broadway-Hit, an dem Hawks eine kleine Veränderung vornahm. Die von Rosalind Russell verkörperte Reporterin war auf der Bühne ein Mann, und auch das ist charakteristisch für Hawks: Für die traditionelle Frauenrolle hatte er wenig übrig. Vamps sucht man in seinem Werk ebenso vergeblich wie die verfolgte Unschuld. Er bevorzugte Partnerinnen auf Augenhöhe. Wird jemand gedemütigt, ist es eher der Mann, etwa in I Was a Male War Bride (Sonntag), einer im zerbombten Nachkriegsdeutschland gedrehten Komödie. Dort muss sich Cary Grant – als Franzose besetzt! – Frauenkleider anziehen, weil er nur so seine große Liebe Ann Sheridan in die USA begleiten kann. Das hat mit Militärrecht und den damaligen Visabestimmungen zu tun und basiert auf einer wahren Geschichte. Bei Hawks lohnt es sich auch immer, auf die Nebendarstellerinnen zu achten. Viele von ihnen tragen das Haar kurz und sind schlagfertig. Garantiert hat Hawks sie persönlich ausgesucht.

In Erinnerung an Horst Buchholz, der vor einer Woche 80 geworden wäre, zeigt das Bundesplatz-Kino am Dienstag Das Totenschiff (1959) nach einem Stoff von B. Traven, der Hawks sicher gefallen hätte. Wie in Travens „Schatz der Sierra Madre“ kämpfen ein paar Männer um jeden Cent und zuletzt sogar um ihr Leben. Auf dem maroden Dampfer, dessen Schicksal der Titel vorwegnimmt, leistet Mario Adorf „Hotte“ Gesellschaft. Es ist ein unsentimentaler Film, völlig untypisch für das westdeutsche Kino der Adenauer-Ära.

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