CITY Lights : Primitiv? Transgressiv!

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Niemand traut sich mehr, einen Totalverriss voller Ekelmetaphern und Ausrufezeichen zu schreiben. Dabei sind die Filme nicht besser oder appetitlicher geworden. Aber es gilt als uncool, sich über einen Film so aufzuregen, wie es die Kollegen in den siebziger Jahren noch getan haben. Als George A. Romeros „Dawn of the Dead“ 1979 in die Kinos kam, war es eine ästhetische Zumutung, wenn Zombies die verfaulten Köpfe weggeschossen wurden. Inzwischen werden Zombie-Filme als Genre akzeptiert. Die Erkenntnis hat sich durchgesetzt, dass Ekel nicht gleichbedeutend mit Niveaulosigkeit sein muss. Statt primitiv sagt man jetzt transgressiv.

Die neueste Publikation zum Thema heißt „Untot. Zombie Film Theorie“. Das Buch wird am heutigen Donnerstag im Arsenal vorgestellt, und alle vier Herausgeber sind Männer: Michael Fürst, Florian Krautkrämer, Serjoscha Wiemer, Markus Rautzenberg. Vielleicht wird bei der Gelegenheit darüber diskutiert, warum Zombie-Fanklubs für Frauen so wenig attraktiv sind. Vor der Buchpräsentation läuft Bruce LaBruce’ L.A. Zombie, ein sozialkritischer schwuler Hardcore-Porno, der unter Obdachlosen spielt und bisher unbekannte Körperöffnungen zur Nutzung empfiehlt. Im Anschluss an die Präsentation wird Juan of the Dead gezeigt, in dem der kubanische Regisseur Alejandro Burgues auf blutig-humorvolle Weise Zombies zu Helden der Revolution stilisiert.

An gleich zwei jüdische Remigrantinnen erinnert das Bundesplatz-Kino am Sonntag. Camilla Spira, die während des Zweiten Weltkriegs im holländischen Exil verhaftet und ins Durchgangslager Westerbork verschleppt wurde, erhielt in Kurt Maetzigs Die Buntkarierten (1949) ihre einzige große Kino-Hauptrolle. Als 1884 geborene uneheliche Tochter eines Berliner Dienstmädchens durchlebt sie alle Höhen und Tiefen ihrer Zeit und überlebt. Sie erlebt die Staatsgründung der DDR; ihre Enkelin darf als erstes Familienmitglied studieren und trägt voller Klassenstolz ein Kleid, das die Oma aus Resten der buntkarierten Bettwäsche genäht hat.

Lilli Palmer war eine der großen Damen des internationalen Kinos und die Idealbesetzung für Alfred Weidenmanns Julia, du bist zauberhaft (1962). Istvan Szabo hat den Stoff 2004 noch einmal mit Annette Bening verfilmt. Julia ist eine reife Schauspielerin, deren Mann sie mit einer Jüngeren betrügt. Sie rächt sich an der Rivalin mit allen Tricks, die sie als Schauspielerin beherrscht – und das mitten auf der Bühne.

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