CITY Lights : Romantik und Leidenschaft

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Zu Beginn der Hinweis auf eine kurzfristige Programmänderung aus traurigem Anlass: Akademie der Künste, Arsenal, Deutsche Kinemathek und Schwules Museum werden am Sonntag in einer gemeinsamen Matinee um 12 Uhr (Eintritt frei) im Arsenal des am 12. April verstorbenen Film- und Opernregisseurs Werner Schroeter gedenken. Neben einer Vorführung von Schroeters manieristischem Filmgedicht Der Rosenkönig mit der 1984 verstorbenen Magdalena Montezuma in ihrer letzten Rolle werden die langjährigen Weggefährten Elfi Mikesch (Kamerafrau auch beim „Rosenkönig“), Ulrike Ottinger und Rosa von Praunheim an den leidenschaftlichen Filmemacher und experimentierfreudigen Romantiker erinnern. Aufgelöst in expressiv ausgeleuchteten Nahaufnahmen kunstvoll arrangierter Situationen, erzählt der Film von Sehnsüchten und Todesbegehren einer Handvoll Menschen, die in einem einsamen Landhaus der Rosenzucht frönen. Die Callas gibt auch hier den Soundtrack zum Abschied von einem Kunstliebhaber, den die Liebe zu ihrer Stimme ein Künstlerleben lang begleitet hatte.

Werbung mit Pressestimmen gibt es in der PR-Arbeit häufig, der Bezug auf eine einzige Veröffentlichung ist aber rar. Das Jewish Film Festival Berlin verlinkt auf seiner Website einen Text von Henryk M. Broder auf „Spiegel Online“ (vom Februar!), in dem er der das Festival betreffenden Förderpolitik des Senats unlautere Motive unterstellt. Ein Artikel, dessen Agressivität allerdings von den gehässigen Online-Kommentaren weit übertroffen wird: ein erschreckendes Sammelsurium kulturfeindlicher und antisemitischer Ressentiments, das die Unkenntnis des Gegenstands als Auszeichnung vor sich herträgt und die angeblich elitäre Veranstaltung als obskure Kulturverschwörung ausmalt. Dabei spielt das „Jewish Film Festival“ seit 16 Jahren mitten in Berlin! Rätselhaft bleibt andererseits, dass die Festivalveranstalter nicht den Ansatz einer Erklärung dafür liefern, weshalb die totgesagte Veranstaltung nun doch stattfinden kann.

Leidenschaft findet sich dort etwa im Porträt eines Mannes, dessen Leben vor allem durch Hingabe an Kunst und Poesie Schönheit gewann. Andrej Khrzhanovskys Künstlerporträt A Room and a Half (Montag im Arsenal) ist eine surrealistisch verspielte, elegisch montierte Hommage an den in St. Petersburg geborenen und in Venedig begrabenen Dichter Joseph Brodsky: Ein Film, der filigran gezeichnete Kinder und Violinen chagallesk durch die Luft schweben lässt und von La Cumparsita bis Schostakowitsch musikalisch Zeitgeschichte collagiert.

Ein romantischer Künstler ist auch der Musiker Reverend Deadeye, der als Subjekt der Dokumentation Can't take it with you when you die heute das kleine Stranger-than-Blues-Filmfest im Eiszeit eröffnet. Als „Fusion aus Punkrock, Delta Blues, Folk und Gospel“ wird das unter der Regie von Nicolas Drolc auf höchstem energetischem Niveau produzierte Gebräu der Ein-Mann-Kapelle beschrieben. Weil das im Film zwangsläufig eher distanziert rüberkommt, gibt es im Anschluss ein Livekonzert des Reverend, dessen Schwingungen das Publikum hoffentlich elektrisieren.

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