CITY Lights : Sonntags immer

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Die Stadterleuchterin ist eine Verfechterin der Sonntagsarbeit, jedenfalls zu Hause. Ist es nicht viel inspirierender, am heimischen Schreibtisch entspannt auf den Schaulauf von Kinderwagen und Bobby-Cars hinunterzublicken, als sich selbst ins Gewühl zu stürzen? Nur wegen unaufschiebbarer Events verlässt sie dann das vertraute Gehäuse – etwa zum Besuch einer Sonntags-Matinee. Diese mancherorts wiederbelebte Tradition wird auch im komfortablen Astor Film Lounge gepflegt – diesen Sonntag kann man dort Hitchcocks Das Fenster zum Hof ganz Grace-Kelly-würdig mit Champagnerbegleitung genießen.

Auch das seit Oktober von einem engagierten Drei-Herren-Team geleitete Bundesplatz-Studio ist zur selben Stunde präsent – mit Geschminkte Jugend von Max Nosseck, einer auf wahren Ereignissen beruhenden, homoerotisch affizierten Skandalgeschichte aus dem Südwestberliner Oberschülermilieu, die 1960 wegen Zweifeln an ihrer Moralität vor Filmstart zurückgezogen wurde. Nach einer ersten Version des Stoffes von 1929 inszenierte Achim von Borries die sogenannte Steglitzer Schülertragödie 2004 ein drittes Mal („Was nützt die Liebe in Gedanken“). Ein Premake ist auch der– später von Bernd Eichinger reinszenierte – Sonntagsnachmittagsfilm im Bundesplatz: Rolf Thieles Das Mädchen Rosemarie (1958): Als Sittenpanorama jener Zeit, angelehnt an die Biografie der Prostituierten Rosemarie Nitribitt, markiert der Film, gemeinsam mit Kurt Hoffmanns „Wir Wunderkinder“ den Beginn einer publikumskompatiblen kritischen Rezeption des Wirtschaftswunders. Damals mühte sich das Auswärtige Amt vergeblich, die Aufführung beim Festival von Venedig zu verhindern – mit der Begründung, der Film könnte dem deutschen Ruf im Ausland schaden. Übrigens, was macht eigentlich ... Guido Westerwelle?

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