CITY Lights : Stars und andere Außenseiter

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Bestimmte Begriffe sollte man besser nur in ihrem ursprünglichen Kontext gebrauchen, „Maverick“ zum Beispiel. Er geht auf den Viehzüchter Samuel A. Maverick zurück und bedeutet Draufgänger oder Rebell: Maverick weigerte sich, seine Rinder zu brandmarken. Nicht jeder Non-Konformist ist gleich ein Maverick. Francis Ford Coppola schon, sein Rebellentum erwies sich bekanntlich als sehr erfolgreich. Die Arsenal-Reihe mit Filmen des ostdeutschen Regisseurs Ulrich Weiß unter dem Titel „DEFA-Maverick“ zu veranstalten, ist allerdings weniger glücklich, wird es doch dem eigenwilligen, aber stillen Künstler nicht gerecht. Weiß’ Filme wurden trotz ihrer Qualität nicht auf den Festivals von Cannes, Venedig oder Berlin präsentiert, auch das Ende seiner Karriere verlief unspektakulär: Er bekam ab 1983 einfach keine Aufträge mehr.

Zur Eröffnung der Retrospektive wird am Mittwoch Dein unbekannter Bruder gezeigt, eine erstaunlich ideologiefreie Adaption des Romans von Willi Bredel, die Anleihen beim USGangsterfilm wagt. Uwe Kockisch, der später als Commissario Brunetti gesamtdeutsche Karriere machte, tritt in der Rolle eines KPD-Genossen als Che-Guevara-Double auf; mit Michael Gwisdek und Jenny Gröllmann kämpft er gegen den Faschismus.

Auch der Star-Begriff wird oft ungenau und vor allem inflationär angewandt. Am Potsdamer Platz ist ein „Walk of Fame“ in Arbeit, deutsche Bezeichnung: „Boulevard der Stars“. Drei davon werden vom Arsenal mit einem Film vorgestellt: Asta Nielsen, die melancholische Dänin, war der erste gesamteuropäische Star und hat in 100 Jahren nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Sie ist am Freitag in zwei Stummfilmen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu sehen: Die Filmprimadonna und Die Börsenkönigin, wertvolle Ergänzungen zur Suffragetten-Filmreihe im Zeughauskino, auch hier ist Nielsen vertreten.

Der nächste gewürdigte Star ist, und das dürfte ihn selbst amüsieren, Alexander Kluge. Zweifellos eine herausragende Medienpersönlichkeit, ein Meister, aber ein Star? Dann eher noch Doris Dörrie, die Starregisseurin: So umstritten sie auch sein mag, sie wird von einem breiten Publikum wahrgenommen. Vertreten ist sie mit einem Film, in dem sie schon früh Zärtlichkeit und Komik mit Grausamkeit verband: Mitten ins Herz läuft am Sonntag.

Den wirklichen Stars ist es vermutlich egal, ob sie ihren Titel mit Millionen anderen teilen. Dass sie etwas Besonderes sind, erkennen sie an ihrer Auftragslage – und am Kontostand meistens auch.

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