CITY Lights : T-Rex ante portas

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Die Begründung für die einmalige Wiederaufführung von Spielbergs Dinoklassiker ist originell: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Nachtaktivität von Sauriern. Mag sein, doch die meisten im Moviemento-Publikum am Samstag Abend interessieren vermutlich eher andere Themen zwischen Vergnügungsindustrie, Tier und Mensch. Aber vielleicht ist Steven Spielbergs Öko-Horror Jurassic Park nach 18 Jahren auch ganz ohne äußeren Grund wieder begutachtenswert. Dabei sind die technischen Effekte deutlich besser gealtert als das heute abgenutzt erscheinende fortschrittskritische Setting.

Auf die Nennung von „East Berlin“ als Reiseziel ihres Verlobten reagiert Julie Andrews in Torn Curtain ähnlich verblüfft wie Laura Dern auf die angedeutete Präsenz des Tyrannosaurus Rex. Auch bei Hitchcock gerät ein Wissenschaftlerpärchen in eine fremde gefährliche Welt. Und sind die Dino-Sperrzäune der ehemaligen Ost-West-Grenze nachempfunden? Zuviel Realismus sollte man in einem Film nicht erwarten, für den das Ostberliner Zentrum am Fehrbelliner Platz nachgestellt wurde und der Flughafen Schönefeld in den Universal-Studios nachgebaut. Der Film ist am Freitag im Zeughaus-Kino in einer dem Schauspieler Wolfgang Kieling gewidmeten Reihe zu sehen, der in Hitchcocks Kalte-Krieg-Thriller einen gewaltsam beendeten Kurzauftritt als lederjackiger Stasi-Offizier hat.

Wie man sich in der spätstalinistischen Sowjetunion feudalistische Vergangenheit vorstellte, lässt sich im Musical Keto da Kote von 1948 (Regie: Vakhtang Tabliashvili) studieren, das am Montag im Arsenal das Filmprogramm der Georgischen Kulturtage eröffnet. Mit gehörigem Aufwand an Komparsen, Kostümen, Landschaftsrückprojektionen macht es das Tiflis des 19. Jahrhunderts zur Operettenstadt. Eine Dreiecks-Heirats-Komödie, die sich von extrem getragenem Tempo zu heftigsten Turbulenzen hochschraubt. Auch schön: ein Zickenkrieg zu klassizistischen Chorgesängen.

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